https://www.faz.net/-gqz-8zjz6

Hebron wird Weltkulturerbe : „Ein klarer Angriff auf Israel“

  • Aktualisiert am

Scharf bewacht: Die Patriarchengräber, den Muslimen als Ibrahim-Moschee bekannt, in der Altstadt Hebrons Bild: AP

Die Unesco hat die Altstadt Hebrons einem palästinensischen Notfallantrag folgend zum Weltkulturerbe erklärt. Jetzt will Ministerpräsident Netanjahu die Mitgliedsbeiträge an die UN kürzen.

          2 Min.

          Als Reaktion auf die Entscheidung der Unesco, die Altstadt von Hebron zum Weltkulturerbe zu erklären, kündigte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu an, die Mitgliedsbeiträge an die UN um rund 900.000 Euro zu kürzen. Damit schrumpft der Beitrag auf rund 1,4 Millionen Euro.

          Die amerikanische Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, unterstützte die Kritik Israels. „Die Unesco-Abstimmung zu Hebron ist auf mehreren Ebenen tragisch“, sagte Haley in der Nacht zum Samstag in New York. „Sie stellt einen Affront gegen die Geschichte dar. Sie untergräbt das Vertrauen, das für einen Erfolg der israelisch-palästinensischen Friedensgespräche gebraucht wird. Und sie bringt eine sowieso schon fragwürdige UN-Behörde weiter in Verruf.“

          „Die ältesten Kulturerbestätten unseres Volkes“

          Auch der Jüdische Weltkongress (WJC) kritisierte die Entscheidung der Unesco. Es handele sich dabei um einen weiteren Versuch der Palästinenser, die UN politisch zu manipulieren, sagte WJC-Präsident Ronald Lauder laut Mitteilung. „Diese unerhörte Resolution ist ein klarer Angriff auf Israel und wird die Gräben zwischen den Beteiligten nur noch tiefer machen.“ Der WJC hat es sich zur Aufgabe gemacht, die nicht in Israel lebenden Juden zu vertreten.

          Die Unesco hatte die Altstadt von Hebron einem Notfallantrag der Palästinenser folgend zum Weltkulturerbe erklärt und zugleich auf die Liste gefährdeter Stätten gesetzt. Dies hatte das Komitee an diesem Freitag in Krakau bekanntgegeben. Die Experten entscheiden dort bis zum 12. Juli über mehr als dreißig Nominierungen.

          „Die jüdische Verbindung zu Hebron geht Tausende Jahre zurück“, sagte der israelische Erziehungsminister Naftali Bennett. „Hebron (...) und die Patriarchengräber (...) sind die ältesten Kulturerbestätten unseres Volkes.“ Die Patriarchengräber sind nicht nur für Muslime und Juden, sondern auch für Christen heilig.

          Nach israelischen Medienberichten werden die Altstadt und die Patriarchengräber nun als „palästinensische Welterbestätten“ aufgeführt.

          Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts lebten in Hebron sowohl Muslime als auch Juden. Bei einem Massaker 1929 tötete eine aufgebrachte Menge von Arabern insgesamt 67 Juden. Danach brachten die Briten als damalige Mandatsmacht die jüdischen Bürger aus der Stadt. Nach der Eroberung der Stadt durch israelische Truppen im Jahr 1967 kehrten religiöse Juden in die Altstadt zurück.

          Hebron ist seit 1998 zweigeteilt: einen Teil kontrolliert die Palästinensische Autonomiebehörde, einen Israel. Allerdings leben in dem von Israel kontrollierten Teil 800 jüdische Siedler umringt von rund 50.000 Palästinensern.

          Bei einem zweiten Massaker im Jahr 1994 erschoss der Israeli Baruch Goldstein in den Patriarchengräbern 29 Palästinenser. Danach verschärfte die israelische Armee die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Siedler.

          Weitere Themen

          Helden in Jogginghosen

          „Don Quijote“ in Berlin : Helden in Jogginghosen

          Zen Quijote von der Mancha: Ulrich Matthes und Wolfram Koch sind Don Quijote und Sancho Panza in Jan Bosses Adaption des Klassikers von Cervantes’ am Deutschen Theater in Berlin.

          Der Geruch von toter Großmutter Video-Seite öffnen

          Buchmessen-Gastland Norwegen : Der Geruch von toter Großmutter

          Norwegen ist das Gastland der Buchmesse 2019. Feuilleton-Redakteurin Elena Witzeck hat sich im Pavillon umgesehen und ein Land kennengelernt, das stolz auf seine Lesekultur ist. Nur auf Schweden sollte man die Norweger nicht ansprechen.

          Topmeldungen

          Das Symbol der Türkei, weißer Halbmond und Stern auf rotem Untergrund.

          Syrien-Konflikt : Gut so, Wolfsburg!

          In der Türkei können VW und andere auch später noch Werke bauen – aber erst, wenn dort wieder Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Friedfertigkeit gelten.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.