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Friedensnobelpreisträger Ales Bjaljazki : Unbeugsam im Gefängnis der Gegenwart

  • -Aktualisiert am

Ales Bjaljazki mit der oppositionellen weißrussischen Flagge Bild: Action Press

Der Menschenrechtsaktivist Ales Bjaljazki kämpft seit mehr als drei Jahrzehnten für ein freies Belarus. Noch hinter Gittern schreibt er Literaturgeschichte. Ein Gastbeitrag.

          4 Min.

          Die Schwedische Akademie ehrt mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis das Lebenswerk des belarussischen Menschenrechtsaktivisten Ales Bjaljazki. Dieser verbrachte seinen 60. Geburtstag Ende September in einem Kellergeschoss des historischen Wolodarka-Gefängnisses im Zentrum von Minsk, ohne sich dem Druck von Geheimdiensten oder Staatsanwaltschaft gebeugt zu haben. Mit seinem Leben und seiner Gesundheit steht er ein für das Ethos der sowjetischen Dissidenten, deren kollektive Lektion war: Bekenne dich vor dem Staatsapparat zu nichts, wenn die Wahrheit auf deiner Seite ist.

          Bjaljazki setzt sich seit 1996 mit der von ihm gegründeten Menschenrechtsorganisation „Wjasna“ für die Rechte politischer Gefangener in der Republik Belarus ein. Seit 2003 ist das nur noch von der nahen litauischen Hauptstadt Vilnius aus möglich, wo er gemeinsam mit Gleichgesinnten ein Haus der belarussischen Menschenrechte aufbaute. Ales Bjaljazki hätte ins Exil gehen können, nachdem die Repressionsmaschine von Alexandr Lukaschenko Ende 2020 begann, systematisch gegen alle Sphären der belarussischen Zivilgesellschaft vorzugehen. Doch er blieb aus Prinzip in Minsk, weil er die Wahrheit auf seiner Seite wusste und weil er noch immer daran glaubt, dass Veränderungen in Belarus 2022 möglich sind, so wie sie 1991 möglich waren.

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