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Soldaten in der Ukraine : Meine Begleiter sind Maschinenpistole, Spaten und Tablet

  • -Aktualisiert am

Ein ukrainischer Soldat hilft einem verwundeten Kameraden auf der Straße in dem befreiten Gebiet in der Region Charkiw Bild: dpa

An der Grenze sind die Wälder still, aber der ist Krieg ganz nah: Als Soldat in den Wäldern nördlich von Kiew – wo man sich auf einen neuen Angriff der Russen vorbereitet.

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          Ich kann sie waschen, wie ich will, meine Kleider riechen nach Holzrauch und nach „Lord of Misrule” von Lush. Ich rauche bis zu drei Schachteln täglich, und täglich trainiere ich auch, Klimmzüge und Push-ups. Ich habe einen fetten japanischen Pick-up mit einem drehbaren Maschinengewehr, und ich habe ein Tablet, auf dem ich versuche, meinen Roman über die Abenteuer eines Ukrainers zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs fertig zu schreiben. Meine treuen Begleiter sind Spotify, Kopfhörer, eine Maschinenpistole, ein Walkie-Talkie und ein finnischer Feldspaten. Ich schlafe auf Strandliegen, al­ten Matratzen, Kiefernzweigen und in der Kabine meines Wagens. Mir unterstehen acht Leute, und acht Leute stehen in der Kommandostruktur über mir. Ich bin Soldat der ukrainischen Armee.

          Obwohl ich sechs Monate nach Be­ginn der flächendeckenden russischen Invasion meine Waffe noch kein einziges Mal gegen den Feind abfeuern musste, nehme ich teil an diesem Krieg. Als Soldat, als Kommandeur einer Einheit und als Mann mit Kriegserfahrung. Über vier Monate harrt mein Bataillon nun schon an der nördlichen Grenze aus, in den stillen Wäldern der Region, Gebieten, die die russische Armee einen Monat lang besetzt gehalten hat. Ein paar Dutzend Dörfer, Hunderte Straßen und Wege und Tausende Hektar Wald – das ist das Gelände, für das wir die Verantwortung tragen. Enge Zusammenarbeit mit anderen Einheiten der ukrainischen Streitkräfte, endloses Einrichten von Verteidigungsstellungen und immer wieder warten, warten, warten. Kommt ein Vorstoß aus Richtung Belarus? Gibt der letzte Diktator Europas den Befehl, die Ukraine anzugreifen? Oder bietet er sich den russischen Truppen vielleicht wieder als Sprungbrett an, so wie Ende Februar, als es die Armee der Russischen Föderation fast bis nach Kiew schaffte und in den Kiewer Vorstädten Gräueltaten beging, die sich jeder Vorstellungskraft entziehen?

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