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Europa und die Gewalt : Von wegen ewiger Frieden

  • -Aktualisiert am

So einfach wird die Welt so schnell nicht wieder: Demonstration anlässlich des Neubaus der Offiziersschule des Heeres in Dresden 1995. Bild: Picture Alliance

Angesichts des Ukrainekriegs muss Europa sein Verhältnis zur Gewalt grundsätzlich überdenken. Denn in globaler Perspektive steht unser Friedensprojekt ziemlich einsam da. Ein Gastbeitrag.

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          Es war einmal ein Europa, das nach Gewalt regelrecht süchtig war. Es sandte Soldaten, um ferne Länder zu besetzen und auszubeuten, metzelte in Kriegen Millionen von Menschen dahin und erfand Methoden, um ganze Völker auszurotten. Und eines Tages, irgendwann in den 1990er-Jahren, war damit Schluss. Innerhalb eines Jahrzehnts verschwand die Todesstrafe aus Europa, die Wehrpflicht und die körperliche Züchtigung von Kindern. Folter, Vergewaltigung in der Ehe, Tierquälerei wurden Straftatbestände.

          Im Zoo wurden Raubtiere vor Besuchern nicht mehr mit lebenden Tieren gefüttert, gewalttätige und dominante Männer galten nunmehr als toxisch, und die Verherrlichung von Gewalt in Film und Fernsehen wurde verboten. Krieg wurde nicht mehr bejubelt wie früher, man demonstrierte jetzt dagegen – außer er diente dazu, Menschenleben zu schützen, so wie in Libyen.

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