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Osteuropaforschung : Die Verdammten der russischen Erde

  • -Aktualisiert am

Die genauen Ursachen für die Entstehung des Nationalstaates Ukraine mögen in der Forschung umstritten sein – Unterstützer gab es immer: Eine gemischte Demonstrantengruppe fordert 1990 in Kiew die Unabhängigkeit. Bild: Mauritius

Würde die Osteuropäische Ge­schich­te einseitig zugunsten der Opfer imperialer Aggression Partei ergreifen, riskierte sie einen Rückfall: Ein Gastbeitrag zu Chancen und Risiken einer „Dekolonisierung“.

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          Auch wenn es in Vergessenheit geraten sein mag, im deutschen Blick auf Osteuropa hatte das Konzept der „Dekolonisierung“ einen seiner Ursprünge. Aus der Beobachtung der erodierenden kontinentalen Imperien nach dem Ersten Weltkrieg heraus prognostizierte der Nationalökonom Moritz Julius Bonn eine globale Fortsetzung solcher Zerfallsprozesse. Nach seiner Emigration aus dem nationalsozialistischen Deutschland machte er im englischen Sprachraum den Begriff der „decolonization“ populär.

          Als Aufruf, unser Denken zu „dekolonisieren“, ist das Konzept in den letzten Jahren in die deutsche Wissenschaft re-importiert worden – auch in die historische Osteuropaforschung. Die Debatte hat angesichts des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine an Fahrt gewonnen. Sie verbindet sich mit der internationalen Kritik am zu zögerlichen oder zu russlandfreundlichen Deutschland, dessen Politikern und Intellektuellen etwa der amerikanische Historiker Timothy Snyder eine koloniale Haltung gegenüber Osteuropa vorwirft.

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