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Ufos : Vom Allerdurchgeknalltesten

Vermeintliches Ufo in Seoul im September 2004 Bild: picture-alliance / dpa/epa

Für einen richtigen Physiker spinnt er zuviel. Für einen überzeugenden Hipster-Künstler ist er ein zu großer Rechthaber. Die lustige, traurige und hyperpsychedelische Welt des Physik-Beatniks Jack Sarfatti.

          6 Min.

          Das Abenteuer beginnt mit einem Anruf. Im Sommer 1953 klingelt das Telefon der italienischstämmigen Familie Sarfatti in Flatbush, New York. Der vierzehnjährige Jack, ein frühreifer Technikenthusiast, nimmt den Hörer ab und vernimmt „etwas mechanisch Einrastendes, wie klickende Relais“. Er fragt nach, wer dran sei, und erhält zur Antwort eine Reihe von Zahlen.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Weil Jack dazu nichts einfällt, gibt der Gesprächspartner sich zu erkennen: „Ich bin ein denkender Computer an Bord eines Raumschiffs. Wir haben dich als einen von vierhundert vielversprechenden jungen Köpfen identifiziert, mit denen wir ...“ - das, was direkt danach kommt und die Absichten des Anrufers umschreibt, fällt in ein Gedächtnisloch.

          „Ich war im Adrenalinrausch“

          Erinnern kann sich Jack Sarfatti dafür lebenslang an die anschließende Anweisung: „Du mußt uns augenblicklich deine Entscheidung mitteilen. Wenn du ja sagst, werden wir dafür sorgen, daß du in zwanzig Jahren mit den anderen in Verbindung trittst.“ „Ich war im Adrenalinrausch“, schreibt Sarfatti später. „Ich dachte, ich müßte unbedingt ablehnen, aber ich hörte mich dennoch ,ja' sagen.“ „Gut“, erwiderte die Stimme, „geh jetzt zu deiner Feuertreppe. Wir werden in zehn Minuten ein Schiff vorbeischicken.“

          Briefmarke zum 50. Jahrestag der ersten Ufo-Sichtung 1947
          Briefmarke zum 50. Jahrestag der ersten Ufo-Sichtung 1947 : Bild: picture-alliance / dpa

          Jack Sarfatti wäre nicht der Kobold, der er ist, wenn diese Geschichte weitergehen würde wie im Kino, mit Spezialeffekten, Verfolgungsjagden, Toten und Verletzten. Der Haken, den sie schlägt, ist viel hinterhältiger: „Ich dachte, ein Mörder oder Einbrecher ist hinter mir her. Ich rannte auf die Straße, traf meinen Freund Winky und ein paar andere Kinder und erzählte ihnen die Geschichte. Gemeinsam gingen wir zurück in meine Wohnung und warteten ab, was passieren würde. Aber nichts geschah. Nie. Oder doch?“

          Übersetzer für astrologische Phantasien

          Oder doch: Der 1939 geborene Physiker, Amateurphilosoph, Künstlerfreund, Bohemien und Alleinunterhalter Dr. Jack Sarfatti gehört zu den einflußreichsten Intellektuellen der amerikanischen Westküste in den letzten fünfzig Jahren. Er hat bei den Erbauern der Atombombe studiert, mehreren Autoren teils seriöser, teils aberwitziger populärwissenschaftlicher Weltbestseller als Physiktrainer auf die Sprünge geholfen, Seminare über Kosmologie und sein persönliches Liebesleben im Beatnik-Treffpunkt „Cafe Trieste“ in San Francisco abgehalten und nach eigenen Angaben das Problem eines trägheitsfreien, hyperschnellen Antriebs für sogenannte fliegende Untertassen gelöst, an deren Existenz er gleichwohl zweifelt.

          Sarfatti war verantwortlich für die Übersetzung der astrologischen Phantasien des James-Bond-Film-Finanziers und langjährigen Vorsitzenden der United Artists Communications, Marshall Naify, in mathematische Begriffe; er hat dem Schriftsteller Robert Anton Wilson einen Großteil der physikalischen Absurditäten ausgearbeitet, die Wilsons Romanen zugrunde liegen; und er ist gemeinsam mit Hank Harrison, dem Vater der Rocksängerin Courtney Love, Koautor eines im Internet publizierten detektivischen Briefwechsels über skandalöse Mordaffären in der kalifornischen Hippie-Szene.

          Verhalf New-Age-Gurus zu physikalischem Gehalt

          Um 1975, also ein volles Vierteljahrhundert vor der jüngsten publizistischen Hausse der Hirn- und Kognitionswissenschaften, leitete Sarfatti die mit dem Geld des einigermaßen seltsamen Esalen Institute für Selbsthilfe und Kommunikationstraining bezahlte, durchaus ernsthaft den Rätseln der materiellen Verankerung des menschlichen Bewußtseins nachspürende „Physics Consciousness Research Group“. Dort wurden Ideen über Denken und Quantenmechanik entwickelt, wie sie heute der hochangesehene Physiker Roger Penrose in Büchern wie „Computerdenken“ vertritt.

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