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China diskutiert die NSA-Enthüllung : Was ist faul bei Huawei?

  • -Aktualisiert am

Ausgeleuchtet: der chinesische Internetkonzern Huawei Bild: dpa

Muss Huawei als das gefährlichste Unternehmen der Welt gelten, in dessen Geräten gleich zwei Geheimdienste anwesend sind? Die NSA hört den Internetkonzern ab. China reagiert mit Stolz und Wut.

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          Mit einer Mischung aus Sarkasmus und Stolz reagiert das chinesische Internet auf die Operation „Shotgiant“, die neueste Eskalationsstufe des amerikanisch-chinesischen Cyberkriegs. „Amerika stellt sich auf den Standpunkt“, schreibt ein Blogger auf der Webseite Sina.com: „Ich darf klauen, weil die Sachen, die ich geklaut habe, zu legalen Zwecken verwendet werden, aber andere dürfen nicht klauen, weil ihre Absichten illegal sind.“ Das bezieht sich auf die jüngste, durch den „Spiegel“ und die „New York Times“ veröffentlichte Enthüllung Edward Snowdens, dass die NSA jahrelang nicht bloß chinesische Regierungsstellen einschließlich des Staatschefs ausspioniert hat, sondern auch das private Elektronikunternehmen Huawei, mit 150.000 Angestellten und einem Jahresumsatz von 28 Milliarden Euro einer der größten Netzwerkanbieter der Welt.

          Mark Siemons

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Die Vereinigten Staaten hatten China immer zum Vorwurf gemacht, dass dessen Hackeraktivitäten über die übliche Spionage unter Staaten hinausgingen und in das trübe Feld der Betriebsspionage reichten. Und auch jetzt versucht eine NSA-Sprecherin, sich von China mit dem Hinweis abzusetzen, ihre Organisation nutze ihre Kapazitäten nicht dazu, „Betriebsgeheimnisse bei ausländischen Unternehmen zu stehlen und sie US-Firmen zur Verfügung zu stellen, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu steigern.“ Die gestohlenen Betriebsgeheimnisse ausländischer Firmen blieben, mit anderen Worten, streng geheim.

          Die Grenzen zwischen Auslandsspionage und Wirtschaftskrieg verwischen sich mit jedem Fall. Ein NSA-Dokument formuliert, über Huawei bekomme man „Zugang zu interessanten Netzwerken“, etwa von nichtwestlichen Staaten (allerdings auch zum Beispiel von Deutschland, wo Huawei-Router weit verbreitet sind). Dieses Argument könnte sich China bei seinen ausgedehnten Schnüffelaktionen in unterschiedlichsten amerikanischen Branchen auch zueigen machen. Umgekehrt kann schon der Verdacht, dass Elektronikprodukte mit Spionagesoftware kontaminiert sind, rufschädigend und damit ein Eingriff in den Wettbewerb sein. „Man darf die Produkte von Huawei nicht mehr benutzen“, meint daher ein chinesischer Blogger, und ein anderer folgert daraus: „Amerika will Huawei vernichten, indem es die Leute seinen Produkten abspenstig macht. So grausam sind die Amerikaner.“ Wird Huawei in Zukunft womöglich als das gefährlichste Unternehmen der Welt gelten, in dessen Geräten gleich zwei Geheimdienste anwesend sind? Oder wird man das demnächst ohnehin über alle großen Elektronikfirmen sagen?

          Zwickmühle der digitalen Konfrontation

          Die Begründung für das Ausspionieren des Unternehmens ist jedenfalls der in Amerika seit langem gehegte Argwohn, dass Huawei mit der Volksbefreiungsarmee unter einer Decke stecke und mit seinen WLAN-Routern die halbe Welt infiltriere. Manche Kommentatoren im chinesischen Netz weisen diesen Verdacht rundheraus zurück und vergleichen ihn mit der Behauptung, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitze. Nur weil Amerika die Technik Huaweis nicht enträtseln könne, dichtete es ihm etwas Böses an. Andere dagegen halten die Vorstellung offenbar für so plausibel, dass sie ihnen Stolz einflößt: „Huawei ist eine chinesische Firma, die Amerika das Fürchten lehrt!“ Huawei sei der Stolz der Chinesen. Und wieder andere fordern im patriotischen Überschwang dann gleich: „Huawei soll möglichst bald Apple und Samsung überholen oder vernichten“. Ob die NSA Huawei tatsächlich eine Verbindung mit dem Militär nachweisen konnte, geht aus Snowdens Papieren nicht hervor.

          Manchen amerikanischen Falken wie dem ehemaligen FBI-Mann Dennis F. Poindexter zufolge kommt es darauf noch nicht einmal an: Entscheidend sei bloß, schrieb er in seinem Buch „The Chinese Information War“, dass eine Firma wie Huawei das Militär gar nicht abhalten könne, seine Hardware für Spionage oder die Zerschlagung aller Netzverbindungen zu benutzen. Dann aber hängt die Legitimität allein von den Absichten ab, die man selbst für sich in Anspruch nimmt, und aus der Zwickmühle der digitalen Konfrontation der beiden Mächte gibt es kein Entrinnen. Einem chinesischen Blogger fällt dann auch nur noch der Rat ein, China dürfe bei der Zurückweisung Amerikas „nicht bloß auf der verbalen Ebene“ bleiben.

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