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Whistleblower-Preis : Snowden für Aufdeckung von Geheimprogrammen geehrt

  • -Aktualisiert am

Preisverleihung in Abwesenheit von Edward Snowden Bild: dpa

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist in Berlin mit dem „Whistleblower-Preis“ ausgezeichnet worden. Ein Trostpreis für einen Helden des digitalen Zeitalters.

          Edward Snowden hat unsere Welt und unser Bild von ihr verändert mit jahrelanger Arbeit, von der wir derzeit nur die mediale Eisbergspitze zu sehen bekommen, von der aber in immer neuen Erschütterungen Enthüllungslawinen auf uns hinabgehen. In Berlin bekam er nun dafür den „Whistleblower-Preis“ verliehen. Das klingt zunächst so, als hätte ihn sich jemand eigens für ihn ausgedacht, als symbolischen Akt der Anerkennung, im Wissen um seine Vergeblichkeit und darum, dass Snowden sein früheres Leben verloren hat.

          Aber der Whistleblower-Preis wird schon seit 1999 vergeben, von der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler und der deutschen Sektion einer Organisation namens IALANA, was für „International Association of Lawyers Against Nuclear Arms“ steht. Dieses Jahr ist erstmalig auch Transparency International beteiligt. Im letzten Jahr ging der Preis an Bradley Manning. Als Whistleblower geehrt kann werden, wer „im öffentlichen Interesse schwerwiegende Missstände und gefährliche Entwicklungen für Mensch und Gesellschaft, Demokratie, Frieden und Umwelt“ aufdeckt, heißt es in der Presseerklärung. Die Jury will mit der Auszeichnung Snowden gegenüber vor allem symbolisch ihren Dank aussprechen für eine Tat, die ihn per definitionem zwischen alle rechtlichen Stühle bringt.

          Ein schnöder Metallstuhl mit schwarzem Polster

          Denn das ist das zentrale Problem jener Menschen, die sich entscheiden, Missstände in ihrem beruflichen Umfeld ihrer expliziten Schweigepflicht oder zumindest ihrer erwarteten „Loyalität“ zum Trotz, an die Öffentlichkeit zu bringen: Sie sind in ihrem Handeln zumeist radikal einsam, riskieren die existenziellen Grundlagen ihres Lebens und laufen Gefahr, sozial geächtet zu werden. Die Öffentlichkeit ist zunehmend auf sie angewiesen, aber  es gibt kein wirklich effektives System, das sie auffängt und das ihnen hilft, mit den rechtlichen und persönlichen Folgen ihres Handelns umzugehen. Edda Müller, Politikprofessorin und Vorsitzende von Transparency International, wies auf den völlig unzulänglichen Rechtsschutz für Whistleblower gerade in Deutschland hin. Deutschland habe sich bereits vor drei Jahren verpflichtet, bis Ende des letzten Jahres Regeln zum Whistleblowerschutz zu erlassen. Nichts sei bisher geschehen.

          Es ist eine Preisverleihung, durch die sich Abwesenheit als Thema zieht. Snowden kann natürlich aus offenkundigen Gründen nicht erscheinen, um die Auszeichnung entgegen zu nehmen. Er ist in Moskau, sein Schicksal ungewiss. Symbolisch haben die Preisverleiher einen leeren Stuhl neben das Rednerpult gestellt, einen schnöden Metallstuhl mit schwarzem Polster, der genauso aussieht wie die restlichen Stühle im Leibnizsaal an diesem Abend. Auf dem Sitzpolster lehnt, ein wenig wie ein Wahlplakat anmutend, in Blautönen Snowdens siebdruckartig verfremdetes Foto-Porträt. Man kennt sie auswendig, die sanften Züge, die dezenten Brillengläser, die schmalen Lippen, man kennt den Leberfleck am Hals. Vielleicht sehen unsere Helden-Bilder heute so aus wie dieses einsame Snowden-Porträt auf seinem Bürostuhl: Eisblau, abwesend, virtuell.

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