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„Star Trek“ und die NSA : Datenmissbrauch? Nicht mit Captain Kirk!

  • -Aktualisiert am

Daten missbrauchen, das tun nur die Bösen

In „Star Trek“ läuft alles über den Computer. Navigation, Türen öffnen, den Fahrstuhl steuern - der Computer weiß alles, sieht alles, hört alles, speichert alles. Andere können die Daten abfragen. „Computer, wo hält sich Fähnrich Ro auf?“, ist eine typische Dialogzeile. Und der Computer antwortet dann: „In Holodeck 3.“ Oder: „Seit 30 Minuten nicht mehr an Bord.“ Niemand in der Serie stört sich daran. Die Menschen haben auch intime Momente, führen sogar Tagebuch. Sie tun das, indem sie die Einträge dem Computer diktieren. In der Serie wird mehrfach thematisiert, wie diese Daten dann wichtige Hinweise geben, anhand derer ein lebensbedrohliches Problem gelöst werden kann. Aspekte wie Privatsphäre tauchen nur am Rande auf, denn der Captain ist edel und gut und würde niemals anderer Menschen Daten missbrauchen.

Mit anderen Worten: Die Vision der Zukunft ist, dass wir den Kampf gegen allgegenwärtige Überwachung verloren haben, aber dass das nicht schlimm ist. Die Gesellschaft hat sich so weiterentwickelt, dass kein Missbrauch stattfindet. Konflikte werden einvernehmlich gelöst. Auch in schwierigsten Situationen muss der Captain nie seine Prinzipien verraten und unmoralisch handeln. Alles lässt sich auch immer irgendwie anders lösen. In der Popkultur der achtziger Jahre war Captain Picard eines der attraktivsten Vorbilder. Er war häufig mit schwierigen Situationen konfrontiert, und er hat sie alle gelöst. Das Modell funktioniert in der Show. Gelegentlich tauchen in der Show Geheimdienste auf. Sie sind auch in der Zukunft intransparent und unkontrollierbar und überschreiten ihre Befugnisse. Sogar vor Genozid schrecken sie nicht zurück. Aber sie tun es immer aus edlen Motiven. Nie ist das Motiv Selbstbereicherung, Fremdenhass oder so etwas.

Kein Wunder also, wenn sich die Ingenieure hinter Google nichts dabei denken, wenn sie alle Daten speichern. Wir sind die Guten! Daten missbrauchen, das tun nur die Bösen. Wir tun nichts Böses. Und wie in der Fernsehvorlage kommen dann auch bei uns irgendwann die skrupellosen Geheimdienste und machen alles kaputt. Aber das kann man ja in diesem Weltbild schwerlich Captain Larry Page und seiner Google-Mannschaft anlasten. Captain Kirks Chefsessel ist übrigens im Besitz von Paul Allen, dem Microsoft-Mitgründer. Er stellt ihn in Seattle in seinem Science-Fiction-Museum aus.

Ein Leben ohne körperliche Arbeit

Über den Höhepunkt des Vorbildes „Star Trek“ berichtet das Magazin „Foreign Policy“. NSA-Chef General Keith Alexander hat sich seinen Befehlssitz im Intelligence and Security Command der US Army von Hollywood-Designern wie die Brücke vom Raumschiff Enterprise nachbauen lassen. Die Kommandozentrale heißt in NSA-Terminologie „Information Dominance Center“. Sie hat Türen, die von alleine aufgehen. Und diese Türen machen, wie bei „Star Trek“, einen Wuuusch-Sound. Der erfreulichste Aspekt an diesen Überlegungen ist, dass sie auch einen klaren Weg aus der Krise aufzeigen: Wir brauchen wieder positive Science-Fiction. Wir brauchen eine erstrebenswerte Zukunftsvision. Eine, die wie „Star Trek“ Werte wie Humanismus und Gerechtigkeit hochhält. Aber auch eine, die zeigt, wie eine Gesellschaft ohne Bürokratie, ohne Unterdrückung, ohne Armut und ohne Geheimdienste funktionieren kann. Und nicht nur funktionieren kann - sie muss klar überlegen sein! Schon „Star Trek“ zeigt eine Welt ohne Banken, ohne Kredite und Zinsen, sogar ohne Geld. Nahrung und Unterhaltung gibt es vom Computer.

Arbeitslose oder gar Obdachlose gibt es nicht. Körperliche Arbeit ist praktisch vollständig wegautomatisiert worden. Wer gerade nichts Wichtiges zu tun hat, beschäftigt sich mit Kunst und Kultur. Knappe Ressourcen werden rationiert, aber gerecht verteilt. Die verbleibenden Arbeitsplätze werden nach Fähigkeiten vergeben. Niemand muss Dinge tun, zu denen er keine Lust hat. Das macht die Vision von „Star Trek“ ja so erstrebenswert, jedenfalls erstrebenswert genug, damit viele im Gegenzug die Kröte mit der Privatsphäre zu schlucken gewillt sind.

Es ist die Aufgabe von Science-Fiction, auf Missstände hinzuweisen, vorzugsweise durch Aufzeigen einer Zukunft, die eine schlechte Idee zum Extrem treibt und dann unter den negativen Folgen zu leiden hat. Aber es ist eben auch Aufgabe von Science-Fiction, ein positives Modell für die Zukunft aufzuzeigen, auf das man hinarbeiten kann - auf das man hinarbeiten will!

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