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Verschlüsselung : Abwehr neuzeitlicher Überwachungsplagen

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Abhören unter Freunden geht gar nicht? Mit neuen Verschlüsselungskonzepten könnte das technologisch bald wahr werden. Bild: dpa

Der „Snowden-Effekt“ zeigt Wirkung: Es entstehen immer bessere Programme zum Datenschutz der Netznutzer. Jetzt sorgt ein neues Konzept für anonymisierte Netznutzung für Aufregung – mit Tempo.

          Seit IT-Sicherheit und Überwachung nicht mehr nur Nischenthemen für technisch Interessierte sind, sondern Sicherheitslücken, Geheimdienstskandale und politischer Streit um Datensammlung und -auswertung tagtäglich die Zeitungen füllen, wächst die Anzahl derer, die sich dem technischen Gegengift widmen.

          Das sind zum einen immer mehr Firmen, die Geschäftsmodelle für einen größer werdenden Kundenkreis entwickeln oder ausbauen. Sie bedienen einen Markt, in dem aus privaten oder beruflichen Gründen technische Dienstleistungen in Anspruch genommen werden, um dem Problem der Spionage und Hacking-Angriffen entgegenzuwirken. Das sind zum anderen aber auch akademische Forschergruppen, die intensiv nachdenken über Möglichkeiten der Abwehr der neuzeitlichen Überwachungs- und Hacking-Plagen.

          Interesse an kryptographischen Methoden

          Zusammen mit der ebenfalls größer werdenden Gruppe von Aktivisten, die versuchen, Verschlüsselungs- und Anonymisierungswerkzeuge zugänglich, benutzbar und vor allem sicher zu machen, hat sich das Angebot für normale Netznutzer und für Unternehmen verbreitert: Wer seine Gespräche, Chats und E-Mails schützen möchte oder muss und die Umstände seiner Kommunikation nicht preisgeben will, dem stehen heute weit mehr freie Programme und kommerzielle Angebote zur Verfügung. Der „Snowden-Effekt“ zeigt Wirkung.

          Was Verschlüsselung angeht, ist die Angebotslage für interessierte Unternehmen und Privatpersonen fast luxuriös, so vielfältig sind Dienstleistungen und technische Werkzeuge mittlerweile. Auch in der Forschung ist das Interesse an kryptographischen Methoden gestiegen. Und selbst mit dem einstigen Stiefkind, dem Prüfen und Auditieren der Umsetzung in Verschlüsselungsprogrammen, läuft es in letzter Zeit besser.

          Verschlüsselung als letzte Abwehrlinie

          Politisch ist das nicht überall gern gesehen. Geheimdienste fordern insbesondere in den Vereinigten Staaten mit zunehmender Vehemenz den Einbau von Hintertüren, um Verschlüsselungsmaßnahmen umgehen zu können. Der britische Premierminister David Cameron bläst ins gleiche Horn, wenn er betont, dass IT-Sicherheit zwar wünschenswert sei, aber mit Blick auf seinen Geheimdienst hinzufügt, dass die Verschlüsselung nicht unüberwindbar sein solle.

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          Auch in Deutschland sind solche Wünsche zu hören, blieben aber kaum beachtet. Denn dass die gesamte Wirtschaft zur Sicherung ihrer Daten und Infrastruktur vertrauenswürdige Verschlüsselung benötigt, können selbst Überwachungsextremisten nicht wegdiskutieren. Und seit klar ist, dass die NSA einheimische Politiker ins Visier nimmt, haben die klügeren unter ihnen erkannt, dass Verschlüsselung ihre letzte Abwehrlinie ist, sofern sie weiter digital kommunizieren wollen.

          Nur mit viel Geduld

          Bei den technischen Möglichkeiten der Anonymisierung ist bisher Tor (The Onion Router) dominierend, ein freies Programm, das ein Ausforschen der Umstände der Kommunikation durch Dritte verhindert. Für das Klicken im Netz und für das unbeobachtete Chatten wird es jeden Tag von mehr als zwei Millionen Menschen genutzt, die damit sowohl staatlichen als auch kommerziellen Überwachungsmaßnahmen entgehen. Gerade in repressiven Staaten ist Tor oft das Mittel der Wahl für Journalisten und sonstige Berufsgeheimnisträger, um sich und ihre Kontakte zu schützen.

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