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Interview mit Laura Poitras : Whistleblower im Whitney Museum

  • -Aktualisiert am

Haben Sie die Schauspielerin getroffen, die Sie spielt: Melissa Leo?

Ich möchte da nicht ins Detail gehen.

Im Whitney zeigen Sie auch Dokumente aus Snowdens geleaktem Archiv. Wie viele Anwälte haben an der Ausstellung gearbeitet?

Wie viele, weiß ich nicht. Natürlich war die Rechtsabteilung nervös, aber das ist ihr Job. Wir haben alles genauso sorgfältig ausgewählt, wie ich das mit journalistischen Veröffentlichungen mache, und danach gab es keine Zensur, nichts, was ich nicht machen konnte. Ich wollte das Museum auch nicht nutzen, um für breaking news zu sorgen – ich wollte es nutzen, um Fragen über die Massenüberwachung aufzuwerfen.

Ist die Ausstellung riskant für das Museum?

Ich würde schon sagen, dass das Museum mutig war. Aber im Grunde ist alles durch die Verfassung abgedeckt. Dennoch waren sie mutig. Denn ich will ja auch keine vollkommen angepasste Ausstellung machen, sie soll schon etwas wagen. Wenn jemand vom Geheimdienst da durchgeht, wird der schon Sachen entdecken, die der normale Besucher gar nicht sieht (verschmitztes Lächeln).

Was Sie betrifft – sind Sie mit all den Auszeichnungen und der Anerkennung, die Sie bekommen, MacArthur-Stipendium, Pulitzer, Oscar, Whitney, jetzt sicher? Sie sind jetzt unberührbar?

Ich würde sagen, ja. Mir gibt das Schutz. Aber vielen anderen nicht. Meine Arbeit fühlt sich nicht mehr so gefährlich an wie früher. Als ich in Hongkong war für den Snowden-Film, da hatte ich Angst. Denn ich wusste, ich stehe auf einer terroristischen Beobachtungsliste, und mich dann mit jemandem zu treffen, der ein Whistleblower dieses Ausmaßes sein würde, das hätte auch anders ausgehen können. Aber natürlich können sich die Dinge auch wieder ändern. Schon morgen. Dann würde ich wohl wieder nach Berlin gehen.

Seit 2012 werden Sie jedenfalls nicht mehr am Flughafen aufgehalten. Glauben Sie, Sie stehen noch unter Beobachtung?

Ich glaube, dass ich zurückgestuft wurde. Wissen kann ich es nicht, man kann ja nirgends anrufen und fragen. Aber ich vermute, ich stehe jetzt auf einer silent hit list. Das bedeutet, die machen einen Vermerk, wenn ich ein- oder ausreise, aber sie behelligen mich nicht.

Sie leben seit 2015 wieder in New York – hat Berlin denn das Versprechen einer freien Stadt nicht eingelöst, weswegen Sie dorthin gezogen waren?

Doch, ich habe mich dort sicher genug gefühlt. Es wäre sehr schwer für die Vereinigten Staaten gewesen, mich irgendwie in Berlin zu behelligen. Ich konnte dort journalistisch arbeiten, und das Bewusstsein für Themen wie Datenschutz und Privatsphäre und die Sensibilität, mit der mit diesen Dingen umgegangen wird, machen Deutschland wahrscheinlich diesbezüglich zum besten Land. Ich vermisse Berlin sehr. Und ich sehe es immer noch als eine Basis von mir an. Ich sehe mich als Pendlerin zwischen New York und Berlin. Ich bin immer da, wo ich arbeiten kann. Und im Moment ist das in New York.

Aber müssten Sie da nicht eigentlich gerade in London sein? Ihr nächstes Projekt ist eine Langzeitbeobachtung von Julian Assange, und da tut sich ja gerade was.

Um ehrlich zu sein, ich sitze wie auf glühenden Kohlen. Heute Abend ist hier Eröffnung, da muss ich da sein, aber ich rechne schon dauernd aus, wann ich frühestens in London sein kann.

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