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Cyber-Spionage : Wanzen im Luxushotel

Kein abgeschiedenes Örtchen, nirgends: John Kerry in Lausanne im Hotel „Beau Rivage“, im April dieses Jahres, als die Atomverhandlungen mit Iran weitergingen. Bild: dpa

Hat Israel Amerikaner und Iraner während der Atomverhandlungen in Genf abgehört? Es sieht so aus. In einigen Nobelunterkünften waren die Außenminister vor unliebsamen Mithörern jedenfalls nicht sicher.

          Im Frühjahr gingen die erfolgreichen Verhandlungen über das Atomabkommen mit Iran am Genfer See mit einem Radunfall zu Ende. Der amerikanische Außenminister John Kerry stürzte Ende Mai bei einer Ausfahrt in das französische Grenzgebiet und brach sich ein Bein. Mit dem Hubschrauber wurde er in das Krankenhaus Genf geflogen, kurz darauf reiste er nach Hause – wo er einen seiner größeren diplomatischen Erfolge feierte und sich nicht nur bei den Pflegern über die Gastfreundschaft in der Schweiz bedankte.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Wie sehr er damals unter aufmerksamster Beobachtung stand, hat man ihm wohl erst nach seiner völligen Genesung mitgeteilt. Im Juni gab es erste Meldungen, dass die Verhandlungen Ziel einer Cyberattacke gewesen waren: Das Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab hatte bei Klienten ungewöhnliche Vorgänge entdeckt. Betroffen waren mehrere Hotels. Der Zusammenhang wurde nicht umgehend bemerkt: In allen Nobelherbergen waren Teilnehmer an den Gesprächen mit Iran untergebracht. Die Schweiz hätte die Vorfälle wie üblich am liebsten verschwiegen, Kaspersky, ein russisches Unternehmen, aber wollte sie unbedingt öffentlich machen. Man hat Kaspersky deswegen auch leise vorgehalten, einen Werbecoup in eigener Sache landen zu wollen.

          Abhöranlagen in jedem Hotel?

          Jetzt berichtet Thomas Knellwolf im Zürcher „Tages-Anzeiger“, wie weit der Angriff damals wirklich reichte. Noch während er andauerte, konnte ihn der Schweizer Geheimdienst beobachten. Dank einer gut vernetzten „jungen Cybertruppe“, so der „Tagesanzeiger“, seien die Schweizer auf der Höhe des Geschehens gewesen. Weil die Geheimhaltung nicht mehr möglich war, hatte sich die Schweizer Regierung zu einer Klage entschlossen – nur so wurden Ermittlungen durch die Bundesanwaltschaft möglich, die man auch lieber verschwiegen hätte.

          Mehrere Hotels sollen Ziel der Cyberattacke gewesen sein – in Wien, in Montreux, in Lausanne das „Beau Rivage“, in Genf das „Président Wilson“, das den Ruf hat, das teuerste Hotel der Welt zu sein. Hier kam es im Sommer zu einer Hausdurchsuchung. Dabei stieß man auf Spuren des Trojaners Duqu, mit dem der israelische Geheimdienst früher operiert haben soll. Die für den Spionageangriff auf die Hotels verwendete Software bezeichnet Kaspersky als extrem hoch entwickelt, die Entwicklung müsse fünfzig Millionen Euro gekostet haben. Mittels der Schadware, schreibt der „Tagesanzeiger“, „bemächtigten sich Cyberangreifer aus der Ferne unter anderem der Überwachungskameras und -Mikrofone.“

          Abgehört auf Schritt und Tritt? Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif (links) und sein amerikanischer Amtskollege John Kerry, im Januar dieses Jahres in Genf.

          Die Hausdurchsuchung im „Président Wilson“ sei extrem schwierig gewesen: Das Sicherheitspersonal des Hotels sei mutmaßlich für Israel, das als Auftraggeber der Attacke vermutet wird, tätig und sei es wohl noch immer. Das „Président Wilson“ ist bei ranghohen arabischen Gästen sehr beliebt. Hier wurde vor Jahren von der Genfer Polizei nach einem Notruf des Kindermädchens der Sohn von Gaddafi verhaftet, der die Schweiz deswegen „zerschlagen“ wollte. Obwohl es nach einem ihrer Präsidenten benannt ist, wird das Hotel von den Amerikanern gemieden. John Kerry wohnte während der Verhandlungen in Genf im „Intercontinental“, das näher zur amerikanischen Botschaft gelegen ist. Von dieser aus hatte der spätere Whistleblower Edward Snowden während seiner Genfer Jahre bei der NSA zwischen 2007 bis 2009 die Hotels observiert und internationale Verhandlungen ausspioniert.

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