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Handysicherheit : Das Blackberry missachtet Vertraulichkeit

  • -Aktualisiert am

Ein Smartphone, das Passwörter nicht als Geheimnis wahrt. Bild: AP

Das Betriebssystem aktueller Blackberry-Smartphones überträgt offenbar Nutzerdaten und Passwörter von E-Mail-Konten seiner Nutzer auf eigene Server. Den damit verbundenen Vorteilen an Benutzerfreundlichkeit stehen gravierende Sicherheitsrisiken gegenüber.

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          Seit sich E-Mails mit Smartphones abrufen und lesen lassen, gilt dieser Grundsatz: Wer Strom und Datenverkehr, also bares Geld, sparen möchte, muss auf die Annehmlichkeit verzichten, über das Eintreffen neuer E-Mails sofort benachrichtigt zu werden. Das Herstellen einer Datenverbindung zwischen Mobiltelefon und E-Mail-Server verbraucht beides, Strom und Daten. Zwar konnte die Effizienz dieser Abfragen in den vergangenen Jahren enorm gesteigert werden, ganz beseitigen ließ sich das Problem allerdings nicht.

          Der Mobiltelefonhersteller Blackberry hat für das Problem nun offenbar eine eigene Lösung gefunden. Frank Rieger, ein Sprecher des Chaos Computer Clubs, hat festgestellt und in seinem Blog darüber geschrieben, dass das aktuelle Betriebssystem seines Blackberry-Smartphones, „Blackberry 10 OS“, E-Mails nicht mehr nur selbst von seinem E-Mail-Server abholt, sondern dass das Telefon nach der technischen Einrichtungen einem Blackberry-Server diese Aufgabe überträgt. Unternehmen, die ihre Nutzer mit diesen Mobiltelefonen ausstatten und einen eigenen E-Mail-Server betreiben, müssten folglich damit rechnen, dass die Zugangsdaten zu allen E-Mail-Konten auch auf den Servern des Mobiltelefonherstellers liegen.

          Der Benutzername und das Passwort von den E-Mail-Konten, die in dem Telefon eingerichtet werden, verbleiben demnach nicht auf dem Gerät, sondern werden an Server übertragen, die Blackberry in Kanada betreibt. Rieger habe beobachtet, wie nach der Einrichtung seines Telefons die kanadischen Server des Smartphone-Herstellers auf seinen E-Mails-Server zugegriffen hätten.

          Ob die Daten im Klartext übertragen wurden, ließ sich laut Rieger nicht ermitteln. Die Software klärte über die Datenweitergabe nicht auf, es habe auch weder Warnungen noch die Möglichkeit in den Einstellungen gegeben, die Datenweitergabe zu verhindern. Allenfalls den Weg, die die vertraulichen Daten durch das Internet nahmen, ließ sich nachvollziehen, schreibt Rieger. Sie hätten einen Weg über Großbritannien und die Vereinigten Staaten genommen, um in Kanada anzukommen. Die genannten Länder stehen derzeit in der Kritik, weil sie, neben Neuseeland und Australien, zu der Geheimdienstallianz „Five Eyes“ zählen, die die Abhörprogramme Prism und Tempora betreibt.

          Pressesprecher Carsten Titt von Blackberry sagte auf Nachfrage, er habe keine Kenntnis darüber, dass die Zugangsdaten nicht nur auf den Geräten selbst gespeichert würden. Es habe in zurückliegenden Jahren allenfalls eine ähnliche Funktion für Geschäftskunden gegeben. Zugriff auf Kundenserver habe das Unternehmen allerdings nicht.

          Mobiltelefone rücken derzeit vermehrt in den Fokus von Bürgerrechtsaktivisten. In den vergangenen Wochen sprachen unter anderem Daniel Domscheit-Berg und Jacob Appelbaum in den Talkshows von Markus Lanz und Maybrit Illner darüber, dass sie selbst keine Telefone mehr mit sich tragen, da es sich bei ihnen um Überwachungstechnologie handele. Auf der anderen Seite fiebert ein Teil der Netzgemeinde dem Verkaufsstart des „Moto X“ in den nächsten Tagen entgegen. Das erste von Google selbst hergestellte Mobiltelefon soll zur Steigerung der Nutzerfreundlichkeit ständig in Sprachkontakt mit seinem Nutzer stehen, ohne dass sich das Mikrofon abschalten lässt.

          Mit welchen Eigenschaften das Telefon tatsächlich präsentiert wird, ist bislang aber unbekannt. Zumindest was das Marketing für die eigenen Geräte angeht, wahren die Mobiltelefonhersteller strikte Geheimhaltung.

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