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Snowden-Vertrauter Glenn Greenwald : Es geht nur um die Macht

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Glenn Greenwald beim Gespräch in Berlin Bild: Lüdecke, Matthias

Der Journalist Glenn Greenwald ist der Mann, der Edward Snowdens Dokumente hütet, sichtet, schließlich veröffentlicht. Er sagt, das Schlimmste komme erst noch. Ein Gespräch über den Kampf gegen die Überwachung und die Motive der Überwacher.

          Schon lange bevor Edward Snowden ihn mit der Veröffentlichung seiner NSA-Dokumente beauftragte, war Glenn Greenwald ein prominenter politischer Journalist. Heute ist er, neben der Filmemacherin Laura Poitras, der wichtigste Vertraute Snowdens. Seine Artikel über das Überwachungssystem des Geheimdienstes veröffentlichte er zunächst im „Guardian“, seit kurzem beim Online-Dienst „The Intercept“. Vergangene Woche war Greenwald in Berlin, wo er die Eröffnungsrede bei der Verleihung des „Reemtsma Liberty Awards“ hielt.

          Herr Greenwald, in dieser Woche nahm der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags seine Arbeit auf. Er begann damit, die Frage zu diskutieren, ob es hilfreich wäre, Edward Snowden über die Rolle deutscher Geheimdienste im NSA-Skandal zu befragen. Wäre es hilfreich?

          Es wäre unglaublich unverantwortlich, die Spionage der NSA in Deutschland zu untersuchen, ohne den Menschen zu befragen, der mehr darüber weiß als jeder andere auf diesem Planeten. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass nur ein winziger Teil der Dokumente, die er uns gegeben hat, bisher veröffentlicht wurde. Außerdem verfügt er über enorm viele Informationen, weil er fast ein Jahrzehnt in diesem Bereich gearbeitet hat, Informationen, die nicht einmal wir haben. Wer diese Informationen nicht prüft, kann nicht von einer ernsthaften Untersuchung sprechen.

          Aber weiß er so viel? In einem Statement vor dem europäischen Parlament erklärte er, er werde nur über die Dateien sprechen, die bereits veröffentlicht wurden. Hat er überhaupt noch Zugang zu den Dokumenten?

          Natürlich kennt er das Material. Aber vor allem hat er ein viel besseres Verständnis davon, was die NSA tut, als wir Journalisten. Er weiß weit mehr als das, was schon veröffentlicht wurde.

          Aber er hat auch immer wieder klargemacht, dass er nicht selbst über die Veröffentlichung entscheiden will. Genau für diese Aufgabe hat er sich ja an Sie gewandt und an ein paar andere Journalisten und Medien.

          Trotzdem liefert er jedes Mal, wenn er an die Öffentlichkeit geht, zusätzliche Informationen. In dieser Woche sprach er vor dem Europarat über die Überwachung verschiedener Menschenrechtsgruppen, davon war vorher noch nichts bekannt. Ich weiß nicht, was er dem deutschen Untersuchungsausschuss genau erzählen will, aber ich bin sicher, dass er die Untersuchung für wichtig hält und dass er ihr hilft, so gut er kann. Keiner weiß mehr über die NSA als Edward Snowden, Punkt.

          Höchstens Sie. Sie sind, neben Laura Poitras, der prominenteste Vertraute Snowdens und derjenige, der die meisten Dokumente veröffentlicht hat. Worin liegen die Herausforderungen dieser Aufgabe?

          Zum einen ist natürlich das Material kompliziert. Die NSA und ihre Verbündeten benutzen fast eine eigene Sprache, man kommt sich vor, als ob man eine Fremdsprache lernen muss. Zum anderen fehlen uns manchmal wichtige Dateien. Snowden nahm, was er kriegen konnte, oft ist das ziemlich vollständig, aber manchmal gibt es eben Lücken. Außerdem ist es nicht einfach zu entscheiden, welche Dokumente man veröffentlicht. Es gibt Vereinbarungen mit Snowden, die wir einhalten müssen, wir müssen sehr vorsichtig abwägen, welche Wirkung die Veröffentlichung hat und dass sie niemanden gefährdet.

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