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Snowden-Vertrauter Glenn Greenwald : Es geht nur um die Macht

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Ein Teil der Dokumente zeigt ja auch, welche Rolle diese Firmen spielen. Aber ich glaube, es gibt wesentliche Unterschiede. Wenn private Unternehmen Daten sammeln, sind das die Daten ihrer Kunden. Sie bekommen damit aber nur ein Bild ihrer Kunden, zum Beispiel wie Menschen Google benutzen. Die NSA dagegen sammelt alles, egal welche Dienste Sie benutzen. Das ergibt ein viel größeres Bild. Vor allem aber haben Regierungen viel mehr Macht. Regierungen können Sie ins Gefängnis werfen, Ihr Eigentum beschlagnahmen, Sie sogar töten.

Seit einigen Wochen veröffentlichen Sie Ihre Geschichten auf der Seite „The Intercept“. Der Dienst wird finanziert von Pierre Omidyar, dem Gründer von Ebay. Sie haben mehrfach betont, dass Sie journalistisch absolut unabhängig arbeiten können. Trotzdem: Können Sie verstehen, dass das viele für einen großen Interessenkonflikt halten: Ihre Arbeit hängt vom Geld eines Mannes ab, der Milliarden mit einem Internetunternehmen verdient hat, und damit eben auch mit dem Sammeln von Nutzerdaten.

Fast jedes Medienunternehmen wird von sehr reichen Menschen finanziert und kontrolliert. Und die Interessen dieser Leute kollidieren grundsätzlich immer mit der Arbeit der Journalisten. Ich verstehe die Skepsis, ich weiß nur nicht, was an meinem Fall so besonders ist. Im Endeffekt hängt journalistische Glaubwürdigkeit immer davon ab, dass man sie auch demonstriert. Die Wahrheit ist: Pierre Omidyar ist der einhundertdrittreichste Mensch der Welt. Er hat so viel Geld, dass er nicht weiß, wie er es ausgeben soll. Er hat seit zehn oder fünfzehn Jahren nicht mehr bei Ebay oder in der IT-Branche gearbeitet. Er ist nur noch als Philanthrop tätig. Er hat für seinen Nachrichtendienst gezielt Leute engagiert, die bekannt dafür sind, dass man sie nicht so leicht kontrollieren kann. Die Vorstellung, dass es ihn kratzt, wie wir über die Branche berichten, ist albern; die Vorstellung, dass wir uns von ihm sagen lassen, worüber wir berichten sollen und worüber nicht, ist lächerlich. Der Tag, an dem er sich in meine Arbeit einmischt, ist der Tag, an dem ich gehen würde.

Sie befinden sich in einer paradoxen Situation: Sie sind ein großer Befürworter der Transparenz. Und gleichzeitig nun selbst in der Position eines Gralshüters, der sein Material vor der Neugier anderer schützen muss. Wie gehen Sie damit um?

Das ist sehr unangenehm für mich. Ich war immer ein entschiedener Verteidiger von Wikileaks; jetzt bin ich auf einmal derjenige, dem vorgeworfen wird, er unterdrücke Informationen und behalte Geheimnisse für sich. Ein Teil von mir würde gerne das ganze Material nehmen und einfach alles online stellen. Wenn ich nicht derjenige wäre, der darüber berichtet, würde ich vermutlich auch solche Fragen stellen. Mir ist die Kritik von dieser Seite viel lieber als die, die mir vorwirft, ich würde zu viel veröffentlichen.

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