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Gesichtserkennungstechnologie : Die Überwachungskamera weiß jetzt, wer du bist

Wiedersehen macht Freude: Jack Ma, Chef des chinesischen Online-Konzerns Alibaba, führt vor, was die App mit seinem Antlitz so alles anstellt. Bild: dpa

Gesichtserkennung breitet sich aus, und keiner merkt es. Im Internet, von Behörden und im Supermarkt werden wir gescannt. Den Trend setzen amerikanische Konzerne. Hält Europa dem etwas entgegen?

          Sechzehn Monate lang haben sie verhandelt. Der einen Seite geht es um ein Millionengeschäft, um die Möglichkeit, den öffentlichen Raum sicherer, die Strafverfolgung einfacher und die Erkennung von Kundenwünschen leichter zu machen. Der anderen darum, einem Überwachungsapparat Grenzen zu setzen, dem mit neuen technischen Entwicklungen ganz neue Möglichkeiten erwachsen sind: die der Identifikation von Menschen mit den Mitteln der Gesichtserkennung.

          Unter Präsident Obama hatte sich die Telekommunikationsbehörde im amerikanischen Wirtschaftsministerium zum Ziel gesetzt, die Industrie davon zu überzeugen, sich freiwillig an Mindeststandards des Datenschutzes zu halten – an Standards, die nicht die Unternehmen festlegen, sondern die in einem Interessenausgleich gefunden werden sollten mit Bürgerrechtlern und Datenschützern. In der vergangenen Woche haben alle beteiligten Initiativen dieses Lagers die Verhandlungen abgebrochen, bis auf eine, maßgeblich von der Industrie geförderte Organisation. Die anderen, darunter die Electronic Frontier Foundation, das Center for Digital Democracy und die American Civil Liberties Union, sahen angesichts der Unbeweglichkeit ihrer Verhandlungspartner keine Möglichkeit mehr, die Interessen der Bürger zu wahren.

          Die Werbetafel weiß, was du letztes Mal gekauft hast

          Was heißt das für Amerika, und was heißt das für uns? Immerhin kommen die großen technischen Neuerungen von dort nach Europa, sind industrielle Standards und Geschäftsmodelle bereits im routinierten Einsatz, wenn sie hier auf den Markt gebracht werden. Manchmal werden sie den bei uns geltenden Gesetzen angepasst, oder man probiert es aus und riskiert, juristisch in die Schranken gewiesen zu werden – der Taxi-Dienst Uber hat es gerade vorgemacht.

          Und die Gesichtserkennung? Stephan G. Humer, Internetsoziologe an der Universität der Künste in Berlin, nennt Einsatzmöglichkeiten: „Von behördlicher Seite soll Biometrie zur Fahndung eingesetzt werden. Leute werden dann abfotografiert, um zu schauen, ob sie sich in irgendeiner Datenbank finden. Kommerziell könnte Gesichtserkennung zum Beispiel im Kaufhaus oder Supermarkt eingesetzt werden. Dabei muss man die Kunden nicht einmal namentlich identifizieren. Es reicht, wenn sie wiedererkannt werden, wenn sie in den Laden kommen. Ihr Kaufverhalten wird mit der Videokamera analysiert, und auf LED-Werbetafeln sehen sie als Empfehlung dann das eingeblendet, was sie das letzte Mal gekauft haben. Das ist personalisierte Werbung, die von meinem Gesicht abhängt. Ich habe überhaupt keine Einflussmöglichkeiten, ich kann ja nicht vermummt in den Supermarkt gehen. Das ist natürlich eine Entgrenzung. Algorithmen könnten auch den Gang von Leuten analysieren, um ihnen korrigierende Einlegesohlen zu empfehlen – was auch immer. Die Biometrie bietet unglaublich viele Möglichkeiten, und alle haben damit zu tun, dass die Industrie näher am Menschen sein will, ob der damit einverstanden ist oder nicht.“

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