https://www.faz.net/-gsf-8k7ki

Personenerkennung ohne Gesicht : Sie finden uns auch so

Kaschieren zwecklos: Das „Faceless Recognition System“ kann Personen selbst bei Bildbearbeitungen wie dieser identifizieren. Bild: picture alliance/Bildagentur-online/Bearbeitung F.A.Z.

Forscher des Max-Planck-Instituts in Saarbrücken haben eine Software entwickelt, die Personen auch mit unkenntlich gemachtem Gesicht auf Fotos wiederfindet. Sie sind nicht die ersten, glauben sie.

          1 Min.

          Automatische Gesichtserkennung ist ein unheimliches Geschäft. Erst im Frühjahr hatte die russische App FindFace für Aufsehen gesorgt, die auf offener Straße fotografierte Personen durch einen Profilabgleich mit Aufnahmen aus dem in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion populären Netzwerk VK.com mit einer Zuverlässigkeit von siebzig Prozent identifizieren kann. Jetzt haben Forscher des Max-Planck-Instituts in Saarbrücken eine Technik entwickelt, die mit ähnlich hohen Werten Menschen anhand ihrer Fotos in Social Media wiedererkennt - und dabei sogar ganz ohne freien Blick auf deren Gesicht auskommt.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Auch wenn das Gesicht vor der Veröffentlichung unkenntlich gemacht wurde, genügt dem Algorithmus ein einziges unverdecktes Gesicht, um die Person mit einer Zuverlässigkeit von 69,6 Prozent zu identifizieren. Bei zehn Vergleichsfotos steigt dieser Wert auf 91,5 Prozent - und das allein durch Analyse der Pixel, ohne Auswertung der Profile, Timelines, Orts- oder Zeitdaten. Unterschiedliche Tage der Aufnahmen, andere Kleidung, verschiedene Aufnahmebedingungen wie Helligkeit, Position oder Art der Kamera stellen für das System keine Hürde dar. Bei mit einem schwarzen Rechteck überdeckten Gesichtern tut es sich allerdings schwerer als bei den Unschärfe-Filtern, wie sie zum Beispiel bei Youtube eingesetzt werden. Doch auch bei ungünstigsten Bedingungen liegt die Zuverlässigkeit immer noch zwölffach über dem reinen Zufall.

          Anfang Oktober wollen Seong Joon Oh, Rodrigo Benenson, Mario Fritz und Bernt Schiele das „Faceless Recognition System“ auf der „European Conference on Computer Vision“ in Amsterdam vorstellen, um die Auswirkungen auf die Privatsphäre in den Sozialen Medien zu diskutieren. „Wir zeigen, dass das Unkenntlichmachen von Gesichtern mit den heute gebräuchlichen Verfahren nur begrenzt funktioniert“, schreiben die Forscher in einem gerade veröffentlichten Bericht. Eine Handvoll markierter Fotos reiche für die Identifikation von Personen vollständig aus. Und: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Systeme wie das hier beschriebene insgeheim bereits im Einsatz sind.“

          Weitere Themen

          Pariser Obelisk wird restauriert Video-Seite öffnen

          Place de la Concorde : Pariser Obelisk wird restauriert

          Anlass der Reinigung des Monuments ist der 200. Jahrestag der Entzifferung der Hieroglyphenschrift durch Jean-François Champollion. Das eine Million Euro teure Vorhaben wird zu einem Großteil durch das deutsche Unternehmen Kärcher finanziert.

          Topmeldungen

          Novak Djoković beim Training vor den Australian Open am 13. Januar in Melbourne

          Novak Djoković : Ein Held für Serbiens Impfskeptiker

          Unter serbischen Verschwörungstheoretikern genießt Djoković hohes Ansehen. Dabei war Serbien beim Impfen einmal ganz vorn dabei. Ob er sich impfen lässt oder nicht, wird politische Folgen haben.
          Helfende Hand: Scheich Mohammed bin Sajid al-Nahjan, Kronprinz von Abu Dhabi (l) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im November in Ankara.

          Türkische Währungskrise : Scheich von Abu Dhabi greift Erdoğan unter die Arme

          Die Türkei will ihre Abhängigkeit von Dollar und Euro reduzieren. Mit den Vereinigten Arabischen Emiraten will man jetzt mehr in lokaler Währung abrechnen, wie auch schon mit China und Qatar. Abu Dhabi gibt nun einen großzügigen Überziehungskredit.
          Online-Glücksspiel wird immer beliebter: Doch wie steht es eigentlich um die Anbieter?

          Online-Glücksspiel : Legalisiert und paralysiert

          Vor gut einem halben Jahr wurde das Online-Glücksspiel in Deutschland liberalisiert – mit einer ähnlichen Argumentation wie beim Cannabis. Doch bisher ist das neue Regelwerk kein Erfolg.