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Snowden-Dokumente öffentlich : It’s fun to stay at the NSA

Die NSA-Zentrale in Fort Meade in der Dämmerung Bild: dpa

Pünktlicher Feierabend, zufriedene Kunden und Waterboarding ohne Reue: Neue Dokumente aus dem Fundus von Edward Snowden geben Einblicke in den Agentenalltag.

          6 Min.

          Als Edward Snowden vor drei Jahren mit seinen Enthüllungen über die NSA an die Öffentlichkeit ging, brachte er sich in eine paradoxe Situation: Der Mann, der völlig zurecht als mutiger Aufklärer gefeiert wurde, machte sich selbst zum Hüter der Geheimnisse. Seine Motive waren nachvollziehbar. Weil es ihm wichtig war, verantwortungsvoll mit den sensiblen Informationen umzugehen, gewährte er nur seinen beiden Vertrauten Zugang zu sämtlichen Dokumenten: dem Journalisten Glenn Greenwald und der Filmemacherin Laura Poitras. Die nehmen ihre Sorgfaltspflicht ernster, als es vielen lieb ist. Geht man alleine nach der Menge der veröffentlichten Papiere, könnte man tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass Snowden und seine Helfer eher am Schutz der Informationen interessiert sind als an der Veröffentlichung. Nur 6322 Dokumente seien bisher veröffentlicht worden, bilanzierte Ende vergangener Woche der akribisch mitzählende Aktivist John Young, einst Mitbegründer von Wikileaks. Wenn es in dem Tempo weitergehe, so Young, dauere es noch zwanzig Jahre, bis alle Daten „befreit“ seien – falls es sich, wie der „Guardian“ behauptet, um 58.000 Dokumente handelt. Sind es 1.700.000, wie das amerikanische Verteidigungsministerium angibt, dauert es noch 620 Jahre.

          Harald Staun

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Young, der auf seiner eigenen Seite „Cryptome.org“ eine radikal transparente Veröffentlichungspolitik praktiziert, ist nicht der einzige Kritiker des Monopols, das Greenwald und Poitras über die Snowden-Papiere besitzen. Am Montag aber war sogar Young soweit, seinen Hut vor Greenwald zu ziehen. Denn Greenwald kündigte auf seiner Website „The Intercept“ einen bemerkenswerten Gesinnungswandel an: In Zukunft werde man den Zugang zu Snowdens Papieren erheblich ausweiten. Die Zeit sei soweit, so Greenwald, Dokumente auch in größeren Bündeln zu veröffentlichen. „Wir ermutigen andere Journalisten, Forscher und interessierte Gruppen, die Dokumente zu durchkämmen (...) Vielleicht finden andere Geschichten oder Hinweise, die zu Geschichten führen, welche wir nicht fanden.“

          Der Glamour des Geheimen

          Um der Ankündigung gleich auch Taten folgen zu lassen, stellte „The Intercept“ einen kompletten Jahrgang von „Sid Today“ online, einer internen Webseite der NSA-Abhörabteilung Signals Intelligence (SIGINT). Wer die 166 Artikel liest, muss allerdings zu dem Schluss kommen, Greenwald habe sich einen schlechten Scherz mit seinen Kritikern erlaubt. Die meisten Dokumente nämlich scheinen vor allem den Verdacht entkräften zu wollen, dass sich in den noch nicht veröffentlichten Dokumenten noch wesentliche Sensationen verbergen könnten. Sie belegen eher die These, dass Informationen nicht schon deshalb bedeutend sind, weil sie verheimlicht werden. Von ein paar Hinweisen auf die Beteiligung der NSA an den Verhören im Gefangenenlager Guantanamo abgesehen, die offenbar selbst Greenwald zu naheliegend waren, um sie als weiteren Skandal zu inszenieren, geben die Texte vor allem Einblick in die sensationelle Profanität des Agentenalltags. Beinahe könnte man „Sid today“ für einen Akt der Desinformation halten, ein publizistisches Ablenkungsmanöver, das vor allem dazu dienen soll, die Arbeit des Geheimdienstes zu entmystifizieren. Nur die Klage, die man immer wieder in den Beiträgen der gestressten NSA-Mitarbeiter findet, kann man als Leser dieser Bulletins absolut nachvollziehen: wie schwer es ist, in der ganzen Datenflut irgendwelche interessanten Erkenntnisse zu finden.

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