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Googles Internet : Überwachungskapitalisten unter sich

  • -Aktualisiert am

Dieser Tage viel unterwegs: Eric Schmidt von Google Bild: AFP

Eric Schmidt, der Verwaltungsratschef von Google, ist gerade auf Deutschlandtour. Er redet unseren Politikern ein, sie müssten vom Internet die Finger lassen. Doch wie spricht er, wenn er unter seinesgleichen ist? Wir haben mitgehört.

          Sitzen Eric Schmidt, Chef von Google, Brad Smith, Chefjurist von Microsoft, Colin Stretch, Chefjurist von Facebook, Ramsey Homsany, Chefjurist von Dropbox, und John Lilly, Venture-Kapitalist, zusammen mit dem demokratischen Senator Ron Wyden in einer Turnhalle in Kalifornien und reden über das Internet. Das ist am 8. Oktober 2014 so passiert - eine von diesen Veranstaltungen, auf der die Diskutanten so reden, als wäre keine Kamera dabei. Weil sie vielleicht auch nicht wussten, dass eine dabei war. Ist auch einerlei, denn das Video wurde auf Youtube bisher nur 2462 Mal gesehen.

          Was über den Teich hier ankam, war: Eric Schmidt sagt auf einer Veranstaltung des amerikanischen Senats, dass er Angst davor hat, dass das Internet auseinanderbricht. Das hat er so natürlich nicht gesagt. Was er in der Turnhalle der Palo Alto High School sagte, war viel besser: Er und seine Kollegen legten endlich die Karten auf den Tisch. Das ist insofern erfrischend, als Google & Co. in Deutschland eine Sprache der Ausweichbewegung pflegen. Eine Sprache ohne Inhalt, die zwar aus Wörtern besteht, aber keine Informationen übermittelt. Da geht es dann darum, dass bloß nichts mit dem Internet gemacht werden darf, weil selbst Google nicht weiß, was mit dem Internet passieren wird, und da sei es halt besser, wenn man das Internet sich allein entwickeln lässt, am besten unreguliert.

          Die Hauptfrage des Podiums war, ob der NSA-induzierte Vertrauensverlust in die Vereinigten Staaten wirtschaftliche Konsequenzen für die Internetfirmen des Silicon Valley hat. Die Herren waren sich einig: hat er. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die in der Turnhalle versammelten Überwachungskapitalisten beschweren sich über den wirtschaftlichen Schaden, der durch die Überwachung der Geheimdienste verursacht wird. Überwachungsprogramme, von denen sie wussten und die erst dann für sie zu einem Problem wurden, als die Existenz der Überwachung einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde.

          Wenn Eric Schmidt auf dem Podium davon spricht, dass das Internet zerbrechen könnte, dann sagt er das also nicht, weil er das Internet liebt, sondern weil es Geld kostet, ein „balkanisiertes“ Internet zu bespielen. „Ich denke, es wird damit enden, dass das Internet kaputtgeht“, so Schmidt. „Denn was passieren wird, ist, dass Regierungen schlechte Gesetze der einen oder anderen Art machen, und am Ende werden sie sagen, wir wollen ein Internet in unserem Land, denn wir wollen, dass es nach unseren Regeln funktioniert, und wir wollen nicht die NSA und andere in ihm. Die Kosten werden immens sein in Bezug auf Wissen, Wissenschaft, Wachstum und Jobs.“

          Was Schmidt und Kollegen auf die Palme zu bringen scheint, ist, dass die Politik, vor allem in Europa, „jetzt Maßnahmen ergreift, die so aussehen, als seien sie für den Verbraucher, die aber in Wahrheit Handelsbarrieren sind“. Im Klartext heißt das: Google & Co. haben kein Interesse an deutschen oder europäischen Vorstellungen von Datenschutz oder informationeller Selbstbestimmung. Es gibt noch andere Passagen verstörender Offenheit. Sie zeigen vor allem eines: Wenn die Silicon-Valley-Chefs über das Internet sprechen, dann ist das ihr Internet. Wir sollen die Dienste nutzen, die sie zur Verfügung stellen, zu ihren Bedingungen.

          Nicht in der Lage, die Vorteile zu nutzen

          Colin Stretch von Facebook versucht zu erklären, was es für das Silicon Valley bedeutete, Server mit den Daten ihrer Nutzer in den jeweiligen Nutzerländern vorhalten zu müssen: „Das Internet ist ein Medium ohne Grenzen. Die Idee, Server mit den Daten, die in gewissen Ländern genutzt werden sollen, in diesen aufzustellen, bedeutet das Gegenteil von dem, wie das Internet aufgebaut ist. Doch was heißt das praktisch? Es bedeutet, dass der Dienst, den du nutzen willst, ineffizienter ist. Er ist langsamer und weniger personalisiert, denn wir sind nicht in der Lage, die Vorteile zu nutzen, die uns das Internet durch Speichern in der Cloud ermöglicht.“

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