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Apple gegen das FBI : Das Selbst im Smartphone

  • -Aktualisiert am

Handydaten sollen den Ermittlern bei der Aufklärung des Terroranschlags von San Bernardino helfen - hier Trauerbekundungen am Tatort. Bild: Reuters

Soll Apple das eigene Produkt hacken? Das verlangt die amerikanische Regierung von dem IT-Giganten. Es hätte fatale Folgen.

          Es ist bemerkenswert, wie eine nur von wenigen Menschen verstandene mathematische Technik erneut zum Politikum geworden ist: Die kryptographischen Sicherungen, die von der Firma Apple in ihren mobilen Computern verwendet werden, und die Wege, wie die Polizei drumherum kommt, haben es weltweit in die Zeitungen geschafft. Das amerikanische Justizministerium hatte Apple aufgefordert, technische Hilfestellung dabei zu leisten, an die Daten aus dem iPhone eines Verbrechers zu gelangen. Der Chef des Konzerns, Tim Cook, lehnte in der vergangenen Woche im Wege eines offenen Briefs ab: Man erachte einen solchen Präzedenzfall als gefährlich. Denn in der Folge könne die Regierung der Vereinigten Staaten verlangen, dass Apple auch heimliche Überwachungssoftware für ihre Zwecke einbaut. Sowohl Apple-Chef Tim Cook als auch FBI-Chef James Comey sollen jetzt vor dem Kongress ihre Haltung zur Verschlüsselung erklären.

          Man denkt an die Zeiten, als kryptographische Hard- und Software und ihr Quellcode in den Vereinigten Staaten als Waffen eingestuft waren und ihr Export nach den „U.S. Defense Trade Regulations“ verboten war. Hätten diese Regelungen Bestand gehabt, wären all die amerikanischen Konzerne, die heute unser Netzleben dominieren, lokale Anbieter geblieben. Der Apple-Fall wäre eine innenpolitische Angelegenheit. Das Problem für das FBI und für Konzerne wie Apple ist also nicht nur, dass Hintertüren und Krypto-Deals mit Herstellern in der Post-Snowden-Zeit sehr viel mehr öffentliche Aufmerksamkeit finden, sondern auch, dass diese Öffentlichkeit international geworden ist. Dass der Behörde zu trauen wäre, eine einmal eingerichtete Hintertür nur selten zu nutzen und befreundeten Diensten nicht weiterzugeben, hat sich seit Snowden gründlich zerschlagen.

          Wie es die Pflicht von Apple ist, hatte die Firma dem FBI bereits Daten von dem umstrittenen iPhone überlassen. Denn der Besitzer hatte den Back-up-Service von Apple genutzt, weswegen Datenkopien vorlagen und auch herausgegeben wurden. Allzu aktuell waren die hinterlegten Kopien jedoch nicht. Man bot daher auch andere Hilfe an, erklärte den Ermittlern die verwendete Technik und ihre Grenzen. Weswegen man dennoch nicht an die gewünschten Daten gelangen konnte, lag an einem Fehler eines Ermittlers, wie das FBI einräumen musste. Der hatte fälschlicherweise ein Rücksetzen des Back-up-Passwortes in Gang gesetzt.

          Macht und Ohnmacht der Kryptographie

          Deswegen übt man nun auf Apple Druck aus, das eigene Produkt zu hacken. Cook beklagt in seinem Brief, dass „dieselben Ingenieure, die starke Verschlüsselung zum Schutz der Nutzer einbauen“, nun paradoxerweise gezwungen werden sollen, diese Sicherungen zu schwächen. Wer die Snowden-Erkenntnisse mitbekommen hat, der wird wissen, dass von behördlicher Zurückhaltung beim Überwachen und beim Brechen von Verschlüsselung keine Rede sein kann. Die systematische Sabotage kryptographischer Werkzeuge ist Kernaufgabe der NSA als technischer Dienstleister. Apple, aber auch Google, Facebook und andere haben in der Folge der Snowden-Veröffentlichungen daher ihre Verschlüsselungsmaßnahmen ausgebaut, im Sinne ihrer vielen Millionen Nutzer, die in der Zeitung lesen mussten, dass Geheimdienste auf ihre Kontaktdaten, Dokumente, E-Mails und Fotos Zugriff nehmen.

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