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BKA-Herbsttagung : Selbst Sicherheitsexperten bleibt nur das Staunen

  • -Aktualisiert am

Die digitale Forensik birgt noch viele rechtliche und technische Probleme. Die Gefahren digitaler Kriminalität wachsen beständig. Bild: dpa

Der Zugriff auf Computer und Netzwerke bei der Verbrechensbekämpfung sei heute notwendig, sagt die Polizei. Auf der Herbsttagung des BKA zeigen Experten, welche Hürden auf dem Weg zur Sicherheit noch zu nehmen sind.

          Über das Wort „Cyber“ wurde früher unter Jugendlichen viel gelacht, unabsichtlich zu Recht. Denn auch Jugendliche wissen für gewöhnlich nicht, dass „Cyber“ die sprachliche Kurzversion für „kybernetische Steuerung“ ist. Was Jugendliche aber verstehen, ist, dass „Cyber“ ein Begriff ist, der aus Verlegenheit benutzt wird. Wann immer sich Eltern, Pädagogen und Politiker in das unentdeckte Land der digitalen Gesellschaft vorwagen, sprechen sie von „Cyber“. Daran hat sich nichts geändert, wenn auch das Lachen verklungen ist. Das Bundeskriminalamt widmete sich auf seiner Herbsttagung nun bereits zum dritten Mal dem „Tatmittel Internet“ und zum ersten Mal dem „Cybercrime“.

          Entsprechend wenig umgrenzen konnte BKA-Präsident Jörg Ziercke das Thema. Die „immanente Überschreitung tradierter Ordnungsmuster“, die „Veränderungsgeschwindigkeit“ der „Umwälzungen“ und die „rasante fortschreitende globale Vernetzung“ führten zu einer „Bedrohung mit unvergleichlicher Dimension“, sagte er. Die Polizisten, die unter diesen Umständen arbeiten müssten, würden heute als „Totalüberwacher, Datensammelwütige und Datenprofilneurotiker“ diffamiert, klagte Ziercke.

          Ziercke: Die Bestandsdatenauskunft ist unabdingbar

          Doch die wichtigsten Methoden, beispielsweise die Kommunikationsüberwachung im Kampf gegen organisierte Kriminalität, gelängen heute wegen neuer Verschlüsselungsmethoden nur durch die Analyse von Verkehrsdaten und verdeckte Zugriffe auf private Computer, die der Polizei zu selten gewährt würden. An der Vorratsdatenspeicherung, der Quellen-TKÜ und der Online-Durchsuchung führe kein Weg vorbei, sagte Ziercke. Wie der private Kernbereich eines Verdächtigten durch eine „unabhängige Einrichtung der ermittlungsführenden Dienststelle“ gewahrt werden könne, sagte Ziercke auch in einem späteren Vortrag zur „Kriminalistik 2.0“ nicht.

          Innenstaatssekretär Klaus-Dieter Fritsche (CSU)  und Jörg Ziercke, Präsident des Bundeskriminalamtes bei der Herbsttagung des BKA in Wiesbaden

          So hielt es auch Klaus-Dieter Fritsche, Staatssekretär im Innenministerium, in einem ganz ähnlichen Vortrag: Auch Kriminelle nutzen die Digitalisierung. Der „virtuelle Bankraub vom Wohnzimmer aus“ ist Alltag geworden. Die „Streife im Cyberraum“ könne den Kriminellen heute aber nicht auf Augenhöhe begegnen. An den neuen „Cybercrime-Standorten“ des BKA habe man inzwischen mit den „besten Cybercops der Welt“ erfolgreich zusammenarbeiten können. Fritsche beklagte abschließend Bitcoin als „Währung der Unterwelt“ und bezeichnete das Tor-Netzwerk als Unterschlupf für Kriminelle.

          Die Kriminalstatistik klärt über Cybercrime kaum auf

          Unerwähnt ließ Fritsche, dass sich die genannten Technologien nicht nur zum Verschleiern krimineller Machenschaften eignen, sondern auch zur digitalen Selbstverteidigung gegen Nachrichtendienste. Fritsche sagte aber auch, dass man eigentlich zu wenig über Cybercrime wisse. Die polizeiliche Kriminalstatistik gebe kaum Aufschlüsse, sagte er. Schon zuvor schlug Ziercke eine „Geschädigtenstatistik“ vor. Mit der Angabe, „ob eine, zwei oder drei Millionen Menschen pro Jahr von Cybercrime in Deutschland betroffen sind“, solle „die Debatte versachlicht werden“.

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