https://www.faz.net/-gqz-7uuqv

Überwachung : Selbstporträt mit Drohne

  • -Aktualisiert am

Ein Hinweis auf die Reality Show: Truman hebt einen Scheinwerfer auf, der vom Studiohimmel gefallen ist. Bild: Picture-Alliance

Unter dem Titel „Truman Reloaded“ wurde in Frankfurt über die bizarre Lust am Überwachtwerden diskutiert. Die hochkarätigen Gäste sind sich einig: Überwachung ist ein harmloses Vergnügen.

          Truman schläft. So heißt das Stück aus dem Soundtrack des Films, das die etwa fünfzehn Gäste in der Evangelischen Akademie in Frankfurt begrüßt. Sie füllen die ohnehin spärlichen Stuhlreihen nur zur Hälfte. Weil ja schließlich auch Buchmesse sei, wird geraunt, und viele der Anwesenden, hört man sagen, wussten bisher gar nichts von den Veranstaltungen der Akademie. Dabei ist es schön hier, googlelig-familiär, sicher auch, wenn mehr Leute da sind. Eine große Glasfront öffnet den Raum Richtung Nikolaikirche. Er ist mehr Loft als Saal, das dezente Leder-Mobiliar sorgt für einen Touch Yuppieness. „Truman Reloaded“ heißt die Veranstaltung, bei der es um das ambivalente Verhältnis von digitaler Selbstinszenierung und Überwachung im Netz geht. Etwa darum also, ob wir inzwischen alle Regisseure unserer eigenen Reality-Show sind.

          Von einer digitalen Kränkung der Menschheit habe Sascha Lobo gesprochen, als die Netzüberwachung durch Edward Snowden bekannt wurde. So beginnt Ralph Fischer, Studienleiter für Kultur und Medien der Akademie, und so Freudianisch bleibt es den ganzen Abend. Die Veranstalter präsentieren eine Gästeliste, die sich mit Fernsehtalkshows messen kann: Marina Weisband, die Piraten-Parteilerin, ist als Referentin eingeladen, an diesem Abend wirkt sie im folkloristischen Rock optisch beinahe unauffällig.

          Neben ihr sitzen Birgit Richard, Medienwissenschaftlerin an der Frankfurter Goethe Universität, und Christian Heller – der Blogger, der sein ganzes Leben minutiös und öffentlich im Internet aufzeichnet. Seine Anreise zur Veranstaltung konnte man mitverfolgen, genau wie jeden Döner, den er isst, und jede Flasche Shampoo, die er kauft. Außerdem ist Martin Altmeyer gekommen, Psychologe und Publizist mit dem Schwerpunkt Mediengesellschaft. Einer der schwarzen Sessel, vorgesehen für Vinzenz Hediger, wie Birgit Richard ebenfalls Medienwissenschaftler in Frankfurt, bleibt unbesetzt.

          Staaten als Datenkraken

          Altmeyer macht den Anfang und ergänzt die digitale Kränkung zunächst um eine „ödipale Dimension“: Sie sei im Grunde ein Generationenkonflikt, denn die „Gegenwartskritik“ am Digitalen bedeute eine indirekte „Verklärung der Vergangenheit“. Altmeyer präsentiert vier Thesen, und sein Vortrag klingt zu Beginn fast wie einer der im digitalen Raum allgegenwärtigen Listen-Artikel: „Vier Dinge, die uns die Netzkultur erklären“.

          Von Ödipus einmal abgesehen, bleiben diese drei: Den vermeintlich typischen Netz-Narzissmus, der sich in Internetphänomenen wie dem Selfie äußert, hat es immer schon gegeben, das Internet sorgt für eine „Verflüssigung der Innenwelt“, in der Es, Ich und Über-Ich flexibel und friedlich nebeneinander leben, und die Sorge um eine Überwachung des Menschen ist nur der Beweis für ein unzutreffendes Bild dieser Menschen – es sind keine hölzernen „Marionetten“ an den Händen von „Datenkraken“, wie uns die Feuilletons immer weismachen wollen. Wozu also die Aufregung, scheint Altmeyer zu sagen, wenn man sein Professoren-Deutsch entschlüsselt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zweifelhaftes Manöver: CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer

          Streit zwischen AKK und Maaßen : Selbstdemontage einer Volkspartei

          Der Streit zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Hans-Georg Maaßen ist zwei Wochen vor den Wahlen in Ostdeutschland das Dümmste, was der CDU passieren kann.

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.
          Wer klug umschuldet, hat womöglich schneller als der Nachbar wieder Geld für den neuen Anstrich.

          Die Vermögensfrage : Umschulden macht Spaß

          Die Zinsen sind so niedrig wie nie zuvor. Davon können mehr Leute profitieren als gedacht. Wer einen alten Baukredit hat, spart besonders viel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.