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Bots für Trump : Erzwitschere dir deine Wahl!

  • -Aktualisiert am

Die Kontrahenten auf einen Blick: Hillary Clinton und Donald Trump. Bild: AFP

Maschinen machen Meinung: Twitter-Bots greifen in den amerikanischen Wahlkampf ein. Bei der TV-Debatte von Hillary Clinton und Donald Trump liefen sie richtig heiß.

          Wenn man sich Donald Trumps Twitter-Account anschaut, fällt auf, dass seine Botschaften stets von denselben Leuten geteilt werden. Zu den eifrigsten Nutzern zählen Neil Turner (@NeilTurner_), Jason Bergkamp (@keksec__org) und Donald Trumpovitz (@WhiteGenocideTM). Tweet um Tweet, so beobachtete K. Thor Jensen für das „New York Magazine“, sind sie die Ersten, die auf Trumps Botschaften reagieren, sie retweeten oder favorisieren, zu jedem Thema, egal zu welcher Uhrzeit.

          Nun könnte es sich um besonders treue Trump-Anhänger handeln. Doch in Wahrheit verbergen sich hinter diesen Twitter-Accounts keine Menschen, sondern Roboter: Chatbots, automatisierte Skripte, die pausenlos Trumps Botschaften teilen. Man muss schon bei der schieren Zahl der Tweets stutzig werden. Seit seiner Anmeldung auf Twitter im September 2015 hat der Nutzer Neil Turner, der sich auf einem Profilbild als Justin-Bieber-Verschnitt mit einer Mütze mit der Aufschrift „Make America Great Again“ zu erkennen gibt, 17200 Tweets abgesetzt. Das macht pro Tag mehr als fünfzig Tweets. Kaum ein Mensch vermag dieses Pensum zu leisten, vor allem nicht in dieser Regelmäßigkeit.

          Jeder vierte Follower ist ein Bot

          Laut einer Analyse von Twitter-Audit war im Mai jeder vierte von Trumps acht Millionen Followern ein Bot. Inzwischen folgen ihm 11,7 Millionen Nutzer, das Verhältnis Mensch zu Maschine hat sich nicht wesentlich verändert. Im Gegenteil: Einer Untersuchung der Werbeagentur eZanga zufolge handelt es sich bei 4,3 Millionen Followern um Fake-Accounts. Die meisten sind Bots. Dass sich Trumps offizieller Account „realDonaldTrump“ nennt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

          Trump und Clinton im Fernsehstudio

          Während des Fernseh-Duells zwischen Trump und Clinton sorgten Bots dafür, dass ein von Trump 2012 abgesetzter, kruder Verschwörungstweet, wonach das „Konzept“ der Erderwärmung eine Erfindung der Chinesen sei, um die amerikanische Automobilindustrie zu schwächen, zum meistgeteilten Tweet wurde. Obwohl die Falschmeldung verbreitet wurde, Trumps Wahlkampftruppe habe den Original-Tweet gelöscht (was nicht zutraf), adelte Twitter das Statement zum „top Retweeted Tweet“. So griffen Computerprogramme in die Debatte um das erste Fernseh-Duell ein. Bots werden zunehmend zu einem Problem für die politische Willensbildung. Millionen Fake-Accounts flattern im Twitter-Universum umher und manipulieren Meinungen. Russlands Präsident Wladimir Putin beschäftigt eine ganze Twitter-Armee, die den Kurznachrichtendienst mit politischer Propaganda bombardiert.

          In Kolumbien war der Wahlsieg drin

          Der kolumbianische Hacker Andrés Sepúlveda erzählte kürzlich in einem Gespräch mit dem Wirtschaftsmagazin „Bloomberg Businessweek“, wie er im Auftrag des mexikanischen Präsidentschaftskandidaten Enrique Peña Nieto 2012 Bots programmierte, die dessen Botschaften favorisieren und Konkurrenten denunzieren sollten. Mit Erfolg: Diese Peñabots, wie sie später apostrophiert wurden, verhalfen Peña Nieto zum Wahlsieg. 600 000 Dollar erhielt Sepúlveda für seine diskrete Wahlkampfhilfe. Der Hacker erzählte, wie er mit seinem Team in seinem Büro in Bogotá über Jahre hinweg Präsidentschaftswahlen in Mittel- und Südamerika manipulierte - von Honduras über Panama bis nach Venezuela. Für größere Aufträge baute Sepúlveda mit seinen Hackerkollegen eine virtuelle Armee von 30 000 Twitter-Bots auf, die Likes und Retweets künstlich in die Höhe schraubten oder gegnerische Accounts mit Spam überzogen und so die Diskussion sabotierten. Es muss ein mächtiges Gefühl gewesen sein, wie die Hacker vor ihren Bildschirmen saßen und sahen, wie man mit ein paar Programmierzeilen Stimmungen in Echtzeit manipulieren kann. Selten war Meinungsmache so leicht. Der Artikel mit dem schlagenden Titel „How to Hack an Election“ liest sich wie eine Betriebsanleitung zur Manipulation von Wahlen.

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