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Bots für Trump : Erzwitschere dir deine Wahl!

  • -Aktualisiert am

Die Software der Demokratie, wenn man die Analogie fortsetzen will, hat Sicherheitslücken. Und ist verletzlich. Zwar können Twitter-Bots mit Software-Tools wie „BotOrNot“ identifiziert werden. Der Politstratege Patrick Ruffini spürte knapp 500 Twitter-Bots von Trump auf, die der Kurznachrichtendienst daraufhin löschte. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es handelt sich um ein systemisches Problem, dem mit der punktuellen Löschung nicht beizukommen ist. Sechzig Prozent des Web-Traffics speisen sich aus automatisierten Skripts.

Unter Trumps Fake-Followern auf Twittern befinden sich die mittlerweile enttarnten Bots mit den spanisch klingenden Namen „Pepe Luis Lopez“, „Francisco Palma“ und „Alberto Contreras“, die angeblich für die Latino-Minderheit sprachen, bei der Trump wenig gelitten ist. Das ist ungefähr so, als würde man ein paar tausend gekaufte Anhänger auf die Straße schicken, die Trump euphorisch zujubeln. Nur, dass die Hispanics von einer Software instrumentalisiert werden, ohne dabei gefragt zu werden. Der Twitter-Nutzer „KFC“ (?@KFCBarstool) schrieb: „Einen Fake-Latino-Account „Pepe Luis Lopez“ zu kreieren, ist rassistischer als der Bau einer Mauer, um Mexikaner aus Amerika draußen zu halten.“ Wobei nicht klar war, ob hier ein Mensch oder Bot von Kentucky Fried Chicken sprach.

Tausende Spam-Accounts mit Latino-Namen

Bots haben den Wahlkampf in Amerika schon infiltriert. Dem Journalisten Niraj Warikoo fiel während der Vorwahl in Nevada auf, dass die Trump-Kampagne tausende Spam-Accounts mit Latino-Namen kreierte, die in zwei Minuten exakt dieselbe Botschaft ventilierten. Das Technik-Magazin „Wired“ titelte: „Bots vereinigen sich, um die US-Wahl zu automatisieren.“

Shakehands und gezwungenes Lächeln: Donald Trump und Hillary Clinton.
Shakehands und gezwungenes Lächeln: Donald Trump und Hillary Clinton. : MEDIEN Bild: UPI/laif

Das Phänomen ist freilich nicht auf Donald Trump beschränkt. Auch Hillary Clinton weist laut „eZanga“ unter ihren acht Millionen Twitter-Anhängern mehr als ein Drittel (3,1 Millionen) Fake-Accounts auf, so dass hier einigermaßen Waffengleichheit herrscht. Doch hat künftig derjenige die Deutungshoheit, der die meisten Bots in seinen Reihen hat? Gewinnt derjenige die Wahl, der nicht die besseren Argumente, sondern die besseren Algorithmen hat?

Der Soziologe und Kommunikationswissenschaftler Philip N. Howard warnte schon 2012 in einem Artikel für das Magazin „Slate“ vor einem „Twitter-Krieg der Roboter“, von denen einige die Demokratie förderten, andere sie bekämpften. Seine plakative Forderung: „Lasst uns prodemokratische Twitter-Bots bauen.“ Roboter nicht in den Dienst der Demokratie zu stellen sei eine gefährliche Strategie. Allein, ob Bots als Verfechter der Meinungsfreiheit taugen, die sie ja erodieren, ist allerdings fraglich. Es wäre eine böse Ironie der Geschichte, wenn Roboter als letzte Kolonne der Kämpfer für die Demokratie zu Felde ziehen.

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