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Trikotfarben : Türkisgate

  • -Aktualisiert am

Österreich gegen Nordmazedonien in der Arena Nationala Bild: dpa

Österreich hat auf dem EM-Fußballfeld ein Farbproblem, weshalb die Nationalmannschaft unentwegt in neuen Trikots aufläuft. Aber was hat das bloß mit Sebastian Kurz, Gustav Klimt und Maria Theresia zu tun?

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          Tu felix Austria. Während andere sich kräfteraubend herumschlagen, hat Österreich schon zu Maria Theresias Zeiten als Mittel des Machterhalts gern den kurzen Dienstweg gewählt, über persönliche Nähe, Bekanntschaft, Heirat nicht ausgeschlossen. Darin scheint man sich bis heute treu zu bleiben, wenn aus der Wiener Machtzentrale, vom Bundeskanzler persönlich, Textnachrichten an Funktionäre verschickt werden wie: „Kriegst eh alles, was du willst“, die beantwortet werden mit: „Ich liebe meinen Kanzler.“ Auch der Österreichische Fußballbund scheint seinen Kanzler zu lieben. Das jedenfalls argwöhnen Ballsportfans, seit Österreich sich bei der heurigen Europameisterschaft zum ersten Spiel nicht etwa im bekannten rot-weißen Dress blicken ließ, gemäß den Landesfarben, sondern in der überraschenden Farbkombi Schwarz-Türkis. Der Aufschrei war entsprechend.

          Farbe und Bedeutung

          Zwar gewannen die farblich Gewöhnungsbedürftigen gegen blütenweiß aufspielende Nordmazedonier. Doch der Couleurskandal war in der Welt, und fortan wurde zwischen Salzburg und Neusiedler See über Farbe und Bedeutung spekuliert wie sonst nur über die laufenden Ermittlungen zur Ibiza-Affäre. Um keinen weiteren Untersuchungsausschuss zu riskieren – man weiß ja nie –, kleidete der ÖFB seine Männer fürs zweite Spiel gegen die Niederländer kurzerhand untenrum nochmals neu ein – die Fußballer erschienen nunmehr ganz in Schwarz. Da fürs dritte Spiel zu erwarten ist, dass sie im Heimtrikot antreten, gebührt dem Team von Franco Foda schon jetzt Platz eins in Sachen Trendwechsel. Dabei ist die Frage ja berechtigt, warum die Outfits ausgerechnet im November 2019 umgefärbt wurden, zwei Monate nachdem Sebastian Kurz’ Team Türkis die Nationalratswahlen gewonnen hatte. Er war es gewesen, der seiner ÖVP, den Schwarzen, das Türkis überhaupt erst verpasst hatte. Dass das eine mit dem andern nichts zu tun habe, die „Basti-Version“ mit den mintgrünen Shorts, wird der ÖFB nicht müde hervorzuheben.

          Dass es bei Twitter indes heißt: „Dieses Türkis beißt sich komplett mit dem Grün des Rasens“, werten Wahlforscher derweil schon als qualifizierte Aussagen zur Wiener Koalition. Dabei böte die österreichische Geschichte selbst Entlastung, wenn man nur darauf verwiese, dass Mintgrün als Farbe der Klarheit und Kreativität der Modetrend der Jahrhundertwende war, weshalb Klimt seine großformatigen Porträts gern mit diesem Ton versah. Im Mittelalter freilich galt die Farbe zusammen mit Gelb als Signum der Ausgestoßenen. Wer sich auf Farbspiele einlässt, so viel ist klar, setzt sich dem Interpretationsrisiko aus. Denn das klassische Trikot-Rot der Österreicher ist als Farbe der Macht ja nicht nur vielen EM-Gewinnerländern wie Dänemark, Spanien oder Portugal eigen. Rot ist traditionell auch die Farbe der SPÖ. Womit wir spätestens beim nächsten Spiel der Österreicher wieder beim Anfang wären.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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