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Streit um Tempelberg : Zum Schutz unseres osmanischen Erbes

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„Festival Al-Aqsa in Gefahr“

Bis zu ihrem Verbot hatte die „Islamische Bewegung“ in Israel alljährlich in der Stadt Um al-Fahm die Massenkundgebung „Festival Al-Aqsa in Gefahr“ veranstaltet. Wenig bekannt ist, dass seit bald einem Jahrzehnt auch in der Türkei immer wieder eine Parallelveranstaltung stattfindet, die von dem türkischen Verein „Mirasimiz“ (Unser Erbe) organisiert wird. Er kümmert sich, wie seinem vollen Namen zu entnehmen ist, um den „Schutz und die Erhaltung des osmanischen Erbes in und um Jerusalem“. Über diesen Verein wurden Kontakte zu führenden palästinensischen Islamisten in Israel wie etwa Raed Salah von der „Islamischen Bewegung“ und dem damals noch als Mufti von Ostjerusalem amtierenden Ekrima Sabri geknüpft, der heute Prediger der Al-Aqsa-Moschee ist. Die Aktivitäten von Mirasimiz intensivierten sich in dem Maße, wie die Neoosmanismus-Kampagne der AKP voranschritt. Bald begann der Verein eine eigene Zeitschrift mit dem Titel „Minber-i Aksa“ (Al-Aqsa-Kanzel) zu veröffentlichen, die seit 2016 monatlich erscheint. Sie mobilisierte von Anfang an nicht nur gegen die „Gefahr“ für Al-Aqsa, sondern auch betont gegen die „für unser osmanisches Erbe in Jerusalem“. Eine solche gehe nicht nur von der Politik des „Besatzungsstaats“ Israel aus, sondern auch von der Agitation „fanatischer“ jüdischer Tempelberg-Aktivisten auf dem Moscheenareal, über die „Minber-i Aksa“ regelmäßig alarmistisch berichtet.

Im Sommer 2015 informierte die Zeitschrift auch über den im Mai stattgefundenen Palästina-Besuch des damaligen Leiters des türkischen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten (Diyanet) Mehmet Görmez. Vom Vorsitzenden des Mirasimiz-Vereins, Muhammet Demirci, begleitet, hatte Görmez während seines Besuches in Ostjerusalem dort nicht nur ein Diyanet-Büro eröffnet und den arabisch-israelischen Islamisten-Führer Raed Salah getroffen, sondern in der Al-Aqsa-Moschee auch eine flammende Predigt gehalten. Der in Arabisch gesprochene, rund zwanzig Minuten lange Sermon wurde vom Sender der türkischen Religionsbehörde TRT Diyanet-TV als „historisch“ gepriesen und mit türkischen Untertiteln ausgestrahlt. Görmez schloss sich in seiner Ansprache der üblichen Dschihad-Rhetorik seiner palästinensischen Gastgeber an und bestärkte sie in ihrem „heiligen Krieg für die Verteidigung der gesegneten Al-Aqsa-Moschee“. Er beschwor die Pflicht aller Muslime, besonders der Türken, die Palästinenser zu unterstützen, und nutzte den Anlass auch, um die Verdienste der osmanischen Sultane um Jerusalem zu würdigen: Diese hätten in der heiligen Stadt Mauern und Denkmäler errichtet und ihre sämtlichen Bewohner, wo immer nur möglich, unterstützt.

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