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In Spanien verhaftet : Schriftsteller Dogan Akhanli wieder frei

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„Ich schreibe auf Türkisch, aber ich lebe in Deutschland. Das ist eine schwierige Situation, denn ich bin nicht Teil der deutschen Literatur, ich bin Teil der türkischen Literatur“, sagte Akhanli einmal in einem Interview. Weil er im deutschsprachigen Raum in einer anderen Sprache schreibe, verstehe er sich als Schriftsteller im Exil. „Die Literatur“, sagt Akhanli, „ist mir näher als die Politik.“ Vor allen Dingen wolle er gute Geschichten erzählen. Wenn man aber über Genozid, Vergessen und die heutigen Probleme der Türkei schreibe, da könne man nicht sagen, dass man das nur aus Lust an Literatur mache.

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In Deutschland engagiert sich Akhanli im türkischen Menschenrechtsverein Tüday, beim Allerweltshaus Köln, als Initiator der jüdischen Raphael-Lemkin-Bibliothek in Köln und Mitarbeiter des Vereins „Recherche International“. Er führt türkische Besucher durch das Kölner El-De-Haus, eine ehemalige Gestapo-Zentrale, die heute eine NS-Gedenkstätte ist, und spricht dabei über die historischen Verbindungen zwischen der deutschen und der türkischen Vernichtungspolitik.

Ein Raubüberfall wird ihm zur Last gelegt

Nachdem er die Türkei neunzehn Jahre lang gemieden hatte, wagte Akhanli im August 2010 eine Reise in sein Geburtsland, weil sein Vater im Sterben lag. Bei seiner Einreise am 10. August wurde er noch auf dem Istanbuler Flughafen wegen der angeblichen Teilnahme an einem 1989 erfolgten Raubüberfall auf eine Wechselstube in Istanbul verhaftet und in das Hochsicherheitsgefängnis in Tekirdag verbracht – ein Vorgang, den er später in der Kurzgeschichte „Sibirien“ verarbeitete. Nach übereinstimmender Ansicht war das Vorgehen der Behörden politisch motiviert. Nach Aussage seines Anwalts sei Akhanli zum Tatzeitpunkt nachweislich nicht in der Türkei gewesen.

Schriftstellerfreunde wie Günter Wallraff und Edgar Hilsenrath, Verbände und linksorientierte Politiker protestierten gegen die Inhaftnahme und nahmen als Beobachter am Prozess teil. Am 8. Dezember 2010 wurde Akhanli aus der Untersuchungshaft entlassen, da kein dringender Tatverdacht mehr bestehe; die Fortführung der Verhandlung war zunächst für März 2011 geplant und wurde dann auf den Juni 2011 vertagt. Vor seiner Rückreise nach Köln besuchte Akhanli sein Geburtsdorf und stellte in Istanbul sein neues Buch „Fasil“ (2010) vor, in dem er das unbarmherzige polizeiliche Verhör eines Linksintellektuellen während der türkischen Diktatur in den Mittelpunkt stellte.

Die Türkei kann sich jetzt vierzig Tage Zeit lassen

Im Oktober 2011 sprach ihn Gericht in Istanbul vom Vorwurf des Raubes und des Raubmordes frei, im April 2013 wurde der Freispruch aufgehoben. Nachdem Dogan Akhanli Ende Juli 2013 nicht zum Auftakt des zweiten Prozesses erschienen war, der nach der Aufhebung des Freispruichs nötig geworden war, erließen die Richter einen internationalen Strafbefehl gegen Akhanli.

In Spanien wurde Akhanli mit einer von der Türkei veranlassten Red Notice bei Interpol verhaftet. Gegen seine Auslieferung kann Deutschland nur diplomatisch vorgehen. „Das Auslieferungsverfahren läuft direkt zwischen Spanien und der Türkei“, sagte eine Sprecherin des Bundesjustizministeriums an diesem Sonntag. Gemäß dem Europäischen Auslieferungsübereinkommen habe die Türkei nach der Festnahme vierzig Tage Zeit, einen Auslieferungsantrag zu stellen.

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel hat die Freilassung Akhanlis begrüßt. „Es wäre schlimm, wenn die Türkei auch am anderen Ende Europas erreichen könnte, dass Menschen, die ihre Stimme gegen Präsident Erdogan erheben, in Haft geraten würden“, erklärte Gabriel an diesem Sonntag.

Zunächst in den Händen der spanischen Justiz

„Ich habe vollstes Vertrauen in die spanische Justiz und weiß, dass unsere Freunde und Partner in der spanischen Regierung wissen, um was es geht“, sagte Gabriel. Er hatte am Samstagabend in dieser Sache mit seinem spanischen Amtskollegen telefoniert. Aus dem Auswärtigen Amt war zu hören, der Geschäftsträger der Botschaft in Madrid habe an der Anhörung Akhanlis vor der Audiencia Nacional teilgenommen.

Das Auslieferungsverfahren läuft einstweilen weiter und liegt zunächst in den Händen der spanischen Justiz. Nur für den Fall, dass diese eine Auslieferung an die Türkei für zulässig hält, entscheidet die spanische Regierung über eine Auslieferung Akhanlis an die Türkei. Das Verfahren kann viele Wochen dauern. Akhanli darf Spanien für die Dauer des Verfahrens nicht verlassen.

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