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Trumps Klassizismus-Vorgabe : Abschied von einer Epoche

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Die neue Richtschnur für staatliche Großbauten in Amerika – das Kapitol während der Kirschblüte Bild: AP

Gebaute Ideologie: Die Vereinigten Staaten stellten sich stets modern dar. Jetzt verordnet Donald Trump Klassizismus als offiziellen Staatsstil.

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          Zu den Skurrilitäten der Regentschaft von Donald Trump gehört die Ankündigung, dass zukünftig staatliche Gebäude von einer gewissen Größe im klassischen Stil errichtet werden sollen. Mit der pauschalen Absage an die nun schon fast hundert Jahre alte architektonische Moderne und die Vielfalt der darauf folgenden Richtungen erinnert der Zwang zu einem wie auch immer gearteten Neoklassizismus eher an jene stalinistischen Geschmacksvorlieben und Repräsentationsgesten, von denen sich die Vereinigten Staaten nach 1945 durch ihre internationale Bauästhetik gerade absetzen wollten. Man muss nur einmal an die programmatische Gegenüberstellung des amerikanischen und des sowjetischen Pavillons auf der Wiener Messe 1957 erinnern.

          Einem noch der stalinistischen Repräsentation verpflichteten Pavillon von 1952, der traditionelle historische Einflüsse synthetisierte, stand der neu errichtete, betont funktionale und der architektonischen Moderne verpflichtete amerikanische Pavillon gegenüber. Geschmückt wurde er von einem großen Wandbild: Fotos eines properen Herrn, der ebenso gut Architekt, Bauherr oder Arbeiter hätte sein können, und einer adretten Hausfrau säumten eine Weltkarte.

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