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Toxische Männlichkeit : Zarte Männer braucht das Land

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Die zarten Jungs, die feinfühligen Männer, haben es so schwer wie Gras, das durch Beton muss. Bild: Kat Kaufmann

Ich liebe Männer, die keine sind: Warum die sogenannten „Echten Männer“ den Frauen so auf den Wecker gehen. Und warum wir mehr Peter Pans brauchen.

          Mir gehen Männer wahnsinnig auf die Nerven. Frauen natürlich auch. Beide Geschlechter sind so sehr damit beschäftigt, sich zu modifizieren und zu entwickeln, dass die Diskussionen endlos erscheinen und ich einfach nur schreien möchte: Just fucking evolve! Eine Raupe kann das auch!

          Während sich also die Erwachsenen beider Geschlechter auf Fortbildungen befinden mit Namen wie „Kurze Röcke und lange Blicke – das Mysterium der Sexualität“ oder „Wie mache ich meiner Angestellten ein Kompliment ohne wie ein Maniac rüberzukommen?“, lichtet sich die Szenerie.

          Und übrig bleibt ein nicht allzu großes, aber ernstzunehmendes Grüppchen – die jungen Menschen der Generation alpha prototype, die all diese Themen nicht nötig haben, da sie auf wundersame Art und Weise scheinbar von allein zu so etwas wie einem Zwischengeschlecht geworden sind. Gender ist für sie noch nie ein Thema gewesen. Sie freunden sich platonisch mit Jungs und Mädchen an, haben mit 12 den ersten Porno gesehen und mit 13 begriffen, dass das eine echt arme Nummer ist. Sie sind die Generation Internet, Geschlechtsumwandlung, Generation Pansexuell. Sie sind mit Schwulen befreundet, ohne jemals gesagt zu haben: „Aber wenn wir in einem Zimmer schlafen, dann ich mit Rücken zur Wand, hahaha“. Nein, sie schlafen sogar im gleichen Bett, tragen Kleidung von Vetements und andere Unisex-Wear, in der sie, Generation „keinen-Bock-mehr-auf-euren-Gender-Scheiß“, aussehen wie bunte Außerirdische, die in der Altkleidersammlung der Dekaden mit verbundenen Augen was aussuchen mussten für ihren Aufenthalt auf der Erde.

          Russland ist voll von stolzen „echten Männern“

          Männer, die sich gern als „Echte Männer“ bezeichnen, werden jetzt sagen: „Ja klar, aber lass diese Peter-Pan-Sexuals mal erwachsen werden, und dann haben sie doch ihre Frau, die sie betrügen, zwei Kinder und den Eigenheimkredit an der Backe, diese tollen, offenen Millenials“.

          Ich komme aus Russland. Das Land ist voll von solchen stolzen „Echten Männern“.

          Männer, die niemals selbst ein Kind gewickelt, niemals das Essen für ihre arbeitende Frau zubereitet haben, niemals etwas anderes von Frauen erwarteten, als top aussehend in der Küche zu stehen. Einmal im Monat darf die Frau selbstverständlich mit ihren Freundinnen einen besoffenen „Also-mein-mann-ist-so-so-schlimm / meiner-auch“-Abend verbringen. Männer, die mit ihren Männerfreunden dumme Witze machen, bei denen die Worte „Schwuchtel“, „Weichei“ und „Homo“ alles bezeichnen, was nicht so eberartig männlich ist, wie sie selbst es sind.

          „Echte Männer“, die ihren Frauen raten, sich „doch bitte weiblicher“ anzuziehen, „doch ihre Schönheit zu zeigen“, weil „es ja sonst kein Wunder ist, wenn“ er „anderen Frauen hinterherschaut“. Vorschriften zum Äußeren verpackt in Komplimente, so bissig wie ein Topf fleischfressender Pflanzen. „Echte Männer“, die über einparkende Frauen witzeln. „Echte Männer“, die manspreaden, mansplainen, weinsteinen und in jeder Runde spätestens nach dem vierten Bier mit Altherrenhumor glänzen, der so übel ist, dass Mario Barth direkt mitschreiben könnte. Und wir nehmen es billigend in Kauf. Weil es da nichts mehr zu retten gibt. Die Urgroßväter waren in irgendeinem Krieg, die Großmütter haben irgend ein Land wieder aufgebaut, die Eltern mussten sich erst mal akklimatisieren – da bleibt wenig Zeit für umfassende humanistische Erziehung.

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