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Toxische Männlichkeit : Zarte Männer braucht das Land

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Zu Frauen (und es werden immer mehr), die ihr eigenes Geld verdienen, die nicht mehr bei ihren Männern bleiben aus finanzieller Notwendigkeit oder Furcht vor der öffentlichen Meinung oder Angst, den Ikea-Einkauf selbst zusammenschrauben zu müssen, sind definitiv nicht jene das Gegenstück, deren unterschwellige Erwartungen an eine Frau beim Aussehen anfangen, beim „ruhig sein, wenn Männer sich unterhalten“ weitergehen und schließlich im „häuslich sein“ münden.

Wir brauchen Männer, die unsere Existenz bereichern, und nicht eingrenzen. Männer, mit denen man tanzen, reden, träumen, Gedichte schreiben und in Jogginghosen herumlaufen kann, ohne sich unweiblich zu fühlen.

Wir brauchen Peter Pan.

Meine Freundin Yulia, Unternehmerin, schön und klug, flog mit einem solchen davon. Sie lernte ihren Anton kennen, als sie 35 war. Und er 21.

Yulias Mann, Hockeyspieler, ein „Ganzer Kerl“, hauchte ihr schon zu ihrem Dreißigsten leise ins Ohr, dass es jetzt Zeit wäre, mit dem Blödsinn aufzuhören. Gemeint hatte er damit ihre Neugier auf die Welt, Reisen, ihren extravaganten Kleidungsstil. Immerhin, sagte er, sei sie doch Mutter. Was solle das für ein Vorbild sein.

Welche Vorbilder wollen wir?

Nach zwei Jahren Affäre stellte Anton Yulia vor ein Ultimatum: Entweder ihr Mann oder er. Yulia packte zwei Koffer, nahm ihre 13-jährige Tochter an die Hand, und stand eines Abends vor der Tür von Antons Ein-Zimmer-Wohnung.

Inzwischen haben die beiden zusammen die ganze Welt bereist. Mit Kindern. Trotz Kinder. Alles ist möglich und keiner nörgelt.

Klar, auch Peter Pans haben Schwächen, können sich nicht allein den Schatten annähen, und wecken dich deshalb nachts auf. Aber das ist ok.

Ich bin auch mit einem viel jüngeren Mann zusammen. Und bei weitem nicht die Einzige in meinem Freundeskreis.

Ich liebe Männer, die keine sind. Vielleicht, weil sie niemals versuchen, ihre Männlichkeit auszuspielen – denn sie ist ja nicht da. Es herrscht Einigkeit und Recht und Freiheit. Und er kocht, während ich arbeite, gendert mich nicht voll und fühlt sich auch nicht unsicher in seiner Rolle. Er würde sogar gern die Kinder für uns austragen – und das wird hoffentlich irgendein Pharmagroßkonzern auch noch lösen.

Solange aber die westlich, östlich oder sonst wie patriarchalisch sozialisierte Spezies noch da ist, kann das „Neue“ nur langsam nachwachsen. Die zarten Jungs, die feinfühligen Männer, haben es so schwer wie Gras, das durch Beton muss.

Die alpha prototypes sind Artefakte, deren Muster sich auflösen, und neu formatieren. Für beide Geschlechter.

So, Mums and Dads – Raise your kids right für eine blühende Zukunft von Kriegsverweigerern und Poeten. Zeit für eine neue Welt.

P.S. Problematisch könnte es werden, wenn plötzlich für längere Zeit die Elektrizität ausfällt. Dann wären wir ganz schnell wieder bei Jägern und Sammlerinnen. Bei Null. Und Millionen domestizierter Männer würden in der Dunkelheit herumtappen, und versuchen, ihre Jägerrolle in sich wiederzufinden, verschüttet unter all den neuen Regeln, die sie doch in den letzten Jahrhunderten so schwer erlernen mussten. Während jene, die ihren Barbarismus nie abgelegt haben, sie einfach mit einer Keule umnieten würden. Survival oft the primal. Aber so weit wird es selbstverständlich nicht kommen. (Wird es doch)

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