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Theaterstück über Marc Dutroux : Schreckensfabel aus Belgien

Auf Schmutz: Der Schweizer Regisseur und Autor Milo Rau ist bekannt für seine drastischen und provokativen Stücke. Bild: AFP

Reinheit in Vollendung oder traumatische Inszenierung? Ein Theaterstück von Milo Rau über den belgischen Kinderschänder- und mörder Marc Dutroux sorgt in Paris für Empörung.

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          Als Vertreter einer kleinen katholischen Partei nahm Jean-Frédéric Poisson an der Vorwahl der Republikaner und allen ihren Fernsehdebatten teil. Er bekam 1,5 Prozent der Stimmen. Seither ist er bemüht, nicht ganz in Vergessenheit zu geraten und François Fillon zu unterstützen. Ohne die Aufführung gesehen zu haben, verlangte er von Justizminister Jean-Jacques Urvoas ein Verbot der „Five Easy Pieces“ von Milo Rau. Gleichzeitig lancierte er eine Petition, die es bislang auf 13 000 Unterschriften brachte. Das Stück handelt vom belgischen Kinderschänder und -mörder Marc Dutroux und entstand als Auftragsarbeit des Kulturzentrums Campo in Gent. Weitere renommierte Häuser gehören zu den Koproduzenten. Das Stück, in dem Rau sieben Kinder auftreten lässt, wurde im vorigen Jahr in Brüssel uraufgeführt.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          Der Kritiker von „Le Soir“ erwähnte damals seine Vorbehalte (auch gegen Theater mit Kindern schlechthin). Alle seien „weggewischt“ worden: „Mehr noch – es ist eine der umwerfendsten Fabeln der Geschichte Belgiens“, sie führt auf Dutroux’ Spuren auch in den Kongo zurück. „Le Monde“ machte eine „Katharsis“ aus, und selbst Armelle Héliot vom konservativen „Figaro“, die keinen Sittenskandal auf der Bühne auslassen würde, veröffentlichte eine Hymne: Rein gar „nichts Schmutziges“ konnte sie in der Aufführung ausmachen, nur „pureté et puissance“ – Reinheit in Vollendung. Poisson hingegen sprach in seiner Unkenntnis von einer „traumatischen Inszenierung“. Hinter ihm und der Petition stehen die fundamentalistischen Katholiken, die mit ihrer Demonstration in Paris die Kandidatur von François Fillon gerettet haben. Weil alle Vorstellungen im „Théâtre de l’Amandier“ in Nanterre längst ausverkauft waren, beschränkten sich die Proteste auf ein paar Störaktionen vor dem Hause.

          Am kommenden Samstag wird das Stück in Manchester gezeigt, dann geht es weiter nach Barcelona. In Zürich ist Milo Rau derweil als zukünftiger Direktor des Schauspielhauses im Gespräch. In Deutschland wurde er mit „Five Easy Pieces“ zum Theatertreffen nach Berlin eingeladen, wo er am 13. Mai auch den mit zehntausend Euro dotierten 3sat-Preis entgegennehmen wird. In Paris hinterlässt sein Gastspiel vor allem einen diffusen Vorgeschmack auf die Kulturpolitik unter einem allfälligen Präsidenten Fillon.

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