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Am 6. Januar 2021 auf der Westseite des Kapitols Bild: AFP

Lektüre der Rechtsradikalen : Die Perversion von der Machtübernahme der weißen Rasse

  • -Aktualisiert am

Leseempfehlung aus dem Darknet: Wie das rechtsradikale Romanmachwerk „The Turner Diaries“, ein amerikanischer Bestseller außerhalb des regulären Buchhandels, zur literarischen Blaupause für den Sturm aufs Kapitol wurde.

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          Als ich vor Jahr und Tag für meinen Roman „Doppelte Spur“ die Genesis der Digitalkabale QAnon recherchierte, stolperte ich in den Eingeweiden des Darknets auf ein oft erwähntes Buch mit dem unscheinbaren Titel „The Turner Diaries“, seit Jahrzehnten ein amerikanischer Bestseller außerhalb des regulären Buchhandels – von den vielen Nachdrucken sind inzwischen mehr als eine halbe Million Exemplare verkauft worden. Dieser Roman ist die perverse Phantasmagorie von der Machtübernahme der weißen Rasse samt gelungener ethnischer Säuberung aller anderen (an erster Stelle Juden). Selbst beim Durchblättern wird einem schnell übel.

          Ein dieser Tage weitverbreitetes Foto erinnerte mich sofort an dieses Machwerk und seinen erstaunlichen Einfluss. Unbekannte hatten am Tag des Sturms auf das Kapitol einen Galgen in dessen Nähe errichtet. Das Bild des baumelnden Stricks beschwört „The Day of the Rope“ herauf, eine Schlüsselszene des Romans: „Heute war der Tag des Stricks, ein grimmiger und blutiger Tag, aber ein unvermeidlicher.“ Der Tag, an dem die heldenhaften Nazis in Kalifornien endgültig „Frieden schaffen“, nach ausdauernden Protesten ihrer Gegner. „Sie skandierten ‚Rassismus muss verschwinden‘ und ‚Gleichheit für alle‘ sowie andere Slogans, die ihnen die Juden eingetrichtert haben.“ Das hat – zumindest in Greater Los Angeles – nun ein Ende. „An Zehntausenden von Laternenpfählen, Strommasten und Bäumen in diesem riesigen Ballungsgebiet baumeln grausige Gestalten.“ Unzählige Leichen, an denen zwei Schilder hängen – entweder „Ich habe meine Rasse verraten“oder „Ich habe meine Rasse geschändet“.

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          Danika Maia

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