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Videoprojekt : Lesbos, Insel der Gegensätze

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„Wenn ich dich anschaue, sehe ich ein Stückchen Sorge, aber auch viel Weichheit und ein sehr großes Herz“, so beschreibt Seet ihr Gegenüber Mayada . Bild: Marieke van der Velden

Die einen machen Urlaub, die anderen fliehen vor Krieg und Unterdrückung: Auf der Insel Lesbos hat ein Ehepaar syrische Flüchtlinge und europäische Touristen zusammengebracht – und die Gespräche gefilmt.

          Auf der griechischen Insel Lesbos sitzen Leid und Freude nah beieinander. Während die einen Urlaub machen, sind die anderen auf der Flucht. Ein Film bringt sie zusammen. „Was wirst du morgen machen?“, fragt der niederländische Urlauber den geflüchteten Syrer. „Weiterreisen, und du?“ – „Am Swimmingpool liegen und braun werden, so wie du“– bei seiner Antwort vergleicht der junge Niederländer seinen Unterarm mit dem des Syrers. Solche Gegensätze zeigt ein Dokumentarfilm der Filmemacher Philip Brink und Marieke van der Velden, der gerade durch die sozialen Netzwerken geht.

          Er zeigt Gegensätze zwischen europäischen Touristen und syrischen Flüchtlingen. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle sind auf der griechischen Insel Lesbos. Die einen sind mit dem Flugzeug angereist, um dort Ferien zu machen. Die anderen sind mit dem Schlauchboot gestrandet, um dem Terror und dem Krieg in ihrem Heimatland zu entkommen.

          „The Island of all Together – Conversations on Lesvos“ heißt das dreiundzwanzigminütige Video, für das das niederländische Ehepaar europäische Touristen und syrische Flüchtlinge zu Gesprächen einlud. Auf einer Steinbank, auf zwei Schaukeln oder auf einer einfachen Steinmauer tauschen sie sich vor der Kamera aus.

          Gespräche zwischen Gegensätzen

          So unterhalten sich also eine deutsche Studentin und ein gleichaltriger Syrer über ihre Karrierepläne. Zwei Mädchen sprechen über den ersten Gedanken, den sie nach dem Aufwachen hatten, und zwei schaukelnde Jungen verraten einander ihre Lieblingsfußballer. Zwischendurch zeigen Bilder von Schnitt- und Gegenschnitt, wie unterschiedlich Flüchtlinge und Urlauber ihre Zeit auf der griechischen Insel verbringen. Während die einen auf einem Felsen kniend beten oder mit all ihrem Hab und Gut im Schatten einer Mauer verharren, entspannen sich die anderen am Rande eines Pools auf einem Liegestuhl.

          Innerhalb der Unterhaltungen zwischen Menschen mit solch verschiedenen Hintergründen gibt es den ein oder anderen Moment, in dem der Betrachter einen Kloß im Hals spürt. Das ist kaum verwunderlich und vermutlich von den Machern gewollt. Ob gewollt oder nicht – es schöne Bilder, wenn am Ende der Unterhaltungen die jeweiligen Gesprächspartner näher zusammenrücken, um ein gemeinsames Foto zu machen. Die Begegnungen sind konstruiert und wären ohne die Videomacher in dieser Form wohl nicht zustande gekommen. Aber sie sind zustande gekommen und sie zeigen, dass es erst das Gespräch ist, das ein Kennenlernen und vielleicht auch gegenseitiges Verständnis ermöglicht.

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