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Terror aus Pakistan : Der Indien-Hass der Generäle und Beamten

  • -Aktualisiert am

Bombay am 27. November 2008 Bild: AP

Die Attentäter von Bombay waren Pakistani. Und es gibt drückende Beweise dafür, dass Terrorgruppen dort weiterhin straflos agieren. Pakistan leugnet das, und Booker-Preisträger Aravind Adiga wirft dem Westen vor, das auch noch zu glauben. Er fordert: Mehr Druck auf Islamabad. Andernfalls drohe die Eskalation.

          Im Jahr 2005 reiste ich nach Pakistan. In Rawalpindi betrat ich ein Antiquariat und sprach mit dem Besitzer, der sich über den indischen Besucher freute und sofort Tee kommen ließ. Während wir noch plauderten, schien sich plötzlich ein Schatten über den Laden zu legen. Ich wandte mich um und sah einen bärtigen Mann in der Tür, eine riesenhafte Gestalt, die uns das Licht nahm. Er sei Lastwagenfahrer, sagte er, und habe gerade gehört, dass ich aus Indien komme.

          „Bist du Hindu oder Muslim?“, fragte der Koloss. Aus seinen Worten sprach ein uraltes Ressentiment gegenüber Indern („Hindus“), wie ich es kein einziges Mal während meines siebentägigen Pakistan-Aufenthalts erlebt hatte. Warum er das wissen wolle, fragte ich. „Weil du hier mit einem Muslim Tee trinkst. Im Koran steht aber, dass wir nur mit denen trinken und essen dürfen, die die Heiligen Bücher lesen, mit Juden oder Christen. Mit niemandem sonst.“ Die hünenhafte Gestalt, stämmiger als wir beide zusammen, trat mit wütendem Gesicht näher. Eine leichte Nervosität stieg in mir auf, doch in diesem Moment rief jemand: „Ismail!“ Sofort wandte er sich um und lief hinaus zu seinem Lastwagen und kletterte hinein, während ein gutgekleideter Mann ihm etwas zubrüllte. Eben noch war er so aggressiv aufgetreten, jetzt ein folgsamer Diener, der sich von seinem Boss anschnauzen ließ. Sein Lastwagen war mit Darstellungen von F-16-Kampfjets, Raketen, Falken und Atompilzen geschmückt.

          Die Regierung versagt

          Tags darauf, in Lahore, erzählte ich einem Journalisten davon. Er lachte. „Die einfachen Leute“, sagte er, „sind durch jahrelange Propaganda verdummt. Die Generäle und ihre Marionettenpolitiker tun nichts für die Armen, bringen sie aber dazu, Indien zu hassen.“ In letzter Zeit musste ich oft an diese Episode denken, wenn ich die Berichte über die pakistanischen Reaktionen auf den Terroranschlag in Bombay verfolgte. Denn inzwischen ist klar, was an jenem 26. November 2008 passierte. Zehn pakistanische Staatsbürger, bis an die Zähne bewaffnet, trafen per Boot in Bombay ein. Sie überwältigten schlecht ausgerüstete und ausgebildete Polizisten, schossen wahllos auf Zivilisten, warfen Granaten und versetzten die ganze Stadt in Schrecken. Ehe sie sechzig Stunden später unschädlich gemacht wurden, hatten sie mehr als einhundertsiebzig Menschen getötet. Einer der Terroristen wurde lebend gefasst, ein gewisser Ajmal Mohammad Amir Kasab. Er gestand, Pakistani zu sein. Eine britische und eine pakistanische Zeitung haben diese Herkunft bestätigt, seine Familie identifiziert.

          Inzwischen wissen wir auch, dass Kasab und seine Gesinnungsfreunde in Pakistan von einer offen agierenden Terrorgruppe ausgebildet wurden, deren Ziel es ist, Anschläge in Indien zu verüben. Jahrelang haben indische Medien Beweise zusammengetragen, wonach militärische Organisationen wie Lashkar-e-Taiba ungehindert in Pakistan operieren. Die Regierung verbietet sie formal oder stellt einen der Führer unter Hausarrest, aber trotzdem können diese Terrorgruppen straflos im Land agieren und junge Männer für den heiligen Dschihad gegen Indien rekrutieren. Ohne die Protektion von Generälen oder des Geheimdiensten wäre das unmöglich.

          Die indische Reaktion erfüllt mich mit Stolz

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