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Telefonberatung von „Astro TV“ : Eine Frau telefoniert sich in den Ruin

Also hätten sie bei Questico angerufen und die mündliche Auskunft bekommen, dass man nur die Kosten für die Telefonate der letzten Wochen zurückholen könne: rund 1200 Euro - von 38.000 Euro.

Den finanziellen Ruin labiler Menschen verhindern

Die Eltern wendeten sich in ihrer Not an die Verbraucherzentrale und an diejenigen, die die Privatsender beaufsichtigen - die Landesmedienanstalten. In Düsseldorf fanden sie Gehör, auch wenn die Landesmedienanstalt von Nordrhein-Westfalen (LfM) formal für den Sender Astro TV nicht zuständig ist, der seine Lizenz nämlich in Berlin beantragt und bewilligt bekommen hat. Doch hatte der Landesmedienchef Norbert Schneider in Düsseldorf erkannt, was die Stunde geschlagen hat. Er brachte das Thema in die Beratungen der „Gemeinsamen Stelle Programm, Werbung und Medienkompetenz“ ein, in der die Medienaufseher aus allen Bundesländern sich mit Fragen wie dieser beschäftigen. Und siehe da: Es ward ein Gipfelgespräch mit Vertretern von Astro TV beziehungsweise Questico anberaumt, an diesem Mittwoch soll es stattfinden. Questico hat das Kommen zugesagt.

Man darf gespannt sein, was bei diesem Gespräch herauskommt. Die Landesmedienanstalten waren bis dato untätig, wurden aber aufgeschreckt durch die Recherchen der F.A.Z. zu Questico (siehe auch: Das Geschäft mit der Astrologie: Die Seelenverkäufer). Jetzt geht es den Landesmedienanstalten darum, wie es heißt, „Mechanismen zu finden, die verhindern, dass psychisch labile Menschen sich und ihre Familien in den Ruin treiben“.

Deutliche Worte der Medienaufseher

In seinem Einladungsschreiben an Questico wird der Medienaufseher Schneider deutlich: Es lägen, schreibt er, Hinweise vor, „dass von einzelnen Anrufern Telefonkosten in sehr beträchtlicher Höhe verursacht werden, wenn sie die Beratungsangebote einzelner Anbieter über eine gewisse Zeit hin wahrnehmen. Wir müssen vermuten, dass es derzeit keinerlei Schutzmechanismen seitens der Anbieter gibt, um Anruferinnen oder Anrufer auf die sich im Einzelfall massiv summierenden Telefonkosten hinzuweisen. Wir halten jedoch die Einrichtung solcher Schutzmaßnahmen, gerade auf dem Hintergrund einer sich nicht selten in schwierigen Lebenssituationen befindlichen Zielgruppe, für unabweisbar. Die Erzeugung außerordentlich hoher Telefonkosten im Einzelfall kann nicht als ein problemloser Bestandteil des Geschäftsmodells verstanden und begründet werden.“ Zudem werde moniert, „dass im Einzelfall bei Beratungsgesprächen durchscheinende schwere persönliche Problemlagen, die bis in den Bereich von Leben und Tod führen können, in den bei den Anbietern oft üblichen, sehr kurzen Beratungsgesprächen erörtert werden. Wir halten dies für unangemessen.“

Kurz waren die Gespräche von Karoline C. allerdings nicht, sie rief immer wieder an, und sie sprach mit den „Beratern“ für immer längere Zeit - gerade darin liegt die Tragik. Unsere Anfrage bei der Firma Questico dazu blieb bis Redaktionsschluss ohne Antwort.

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