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Islamischer Staat : Tod eines Zauberkünstlers

  • Aktualisiert am

Aufmarsch von IS-Kämpfern im syrischen Raqqa Bild: AP

In der syrischen Stadt Raqqa haben harmlose Zaubertricks einen Straßenkünstler das Leben gekostet. Dschihadisten des „Islamischen Staates“ betrachteten seine Kunststücke als Blasphemie – und enthaupteten ihn.

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          Der Kleinkünstler, dessen Name nicht bekannt ist, hatte sich in einer Straßenecke der syrischen Stadt Raqqa niedergelassen. Er amüsierte die Passanten mit harmlosen Zaubertricks, die er sich von westlichen Illusionskünstlern abgeschaut hatte, ließ Münzen und Telefone verschwinden. Wenig später führte ihn ein Kommando des Islamischen Staates, die Raqqa besetzt halten, auf einen öffentlichen Platz und schlug ihm den Kopf ab. So berichtet es der britische „Mirror“. Er bezieht sich auf einen Augenzeugen.

          Zu keinem Zeitpunkt, so der Zeuge, habe der Zauberer den Anschein erregt, mit höheren Mächten im Bund zu stehen, er habe sein Publikum mit seinen Tricks schlicht unterhalten wollen. Diese Unterscheidung galt nicht für das Todeskommando des IS, das die Kunststücke als verbotenes Werk verurteilte, das Illusionen nähre und Passanten vom Gebet abhalte. Das zweite Argument ist in der syrischen Stadt derzeit  ein Vorwand für viele Verbote und Strafen. Laut „Mirror“ werden auch Taxifahrer mit Peitschenhieben für mehr als eintägige Fahrten bestraft, weil sie ihre Fahrgäste zu lang von den Gotteshäusern fernhielten.

          Die islamische Rechtsanschauung zur Zauberei als Straßenkunst ist schwer auf einen Nenner zu bringen. Christentum und Islam sind sich einig in der Ablehnung der Magie, auch wenn in beiden Religionen kultische Reste fortbestehen. Das Christentum hat die Unterscheidung  zwischen Zauberei als Unterhaltungskunst und okkulter Praxis spätestens im Lauf der Aufklärung getroffen. Auch im sechzehnten Jahrhundert gab es schon Schriften, die Magie von Unterhaltung explizit trennten. Vorher mussten auch Gaukler und Jahrmarktskünstler gelegentlich um ihr Leben fürchten. In der islamischen Theologie gibt es eine vergleichbar deutliche Unterscheidung nicht. Im Alltag der syrischen Bevölkerung wurde die Zauberei von Straßenkünstlern schlicht toleriert.

          Dem Islamischen Staat geht es bei seinem brutalen Versuch, das gesamte gesellschaftliche Leben in ein religiöses Regelwerk zu gießen, nicht unbedingt um den Zauberkünstler als blasphemischen Herausforderer des göttlichen Monopols auf übersinnliche Kräfte. Nach dem Urteil des Heidelberger Religionswissenschaftlers Danijel Cubelic könnte sich das Todesurteil auch auf ein allgemeines Täuschungsverbot beziehen, das die Dschihadisten aus der islamischen Tradition herauslesen, und unter das auch die Zauberei als Unterhaltungskunst fällt.

          Ob die Täuschung harmlose Folgen hat, wie im Fall der Straßenkunst, spielt nach dieser theologischen Auffassung keine Rolle. Es geht um die Lückenlosigkeit der juristischen Argumentation. Auf salafistischen Websites gibt es eine lebhafte Debatte über die Frage, ob harmlose Knotentricks den Verstand trüben und das Publikum krank machen. In Grautönen wird hier nicht argumentiert. Wahrsagern wurde in der arabischen Welt nachweislich schon häufiger der Prozess gemacht. Die Jagd  auf Taschenspieler ist ein neues oder zumindest wenig bekanntes Phänomen.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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