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Neubau der Ballettschule : Stuttgarter Aufstieg ins Tal

Das Runde im Eckigen: Der große Innenhof vor der Mensa der Cranko-Schule strahlt eine fast klösterliche Strenge aus. Bild: Brigida González

Ein Terrassenhaus des Tanzes: Burger Rudacs Architekten aus München haben der John Cranko Schule einen asketischen Neubau auf den Leib geschneidert – körperlich, wie es des Namensgebers Ballett war.

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          Es ist leicht, sich über misslungene Neubauten der öffentlichen Hand lustig zu machen und darüber, dass sie wieder einmal viel teurer geworden sind als vorgesehen. Die Dinge lassen sich aber auch genau andersherum betrachten: Wer bedenkt, wie viel zusammenkommen muss, damit ein Großprojekt gelingt, wird den Erfolgsfall für eine Art Wunder halten – ein Bauherr, der genau weiß, was er will, und davon während der Planungs- und Bauzeit nicht abweicht. Ein Architektenwettbewerb, unter dessen Teilnehmern mindestens ein Büro eine ästhetisch und funktionell überzeugende Lösung findet. Eine Jury, die ihre Auswahl mit Sorgfalt und Sachverstand trifft. Politische Entscheidungsgremien, die Stehvermögen beweisen, wenn die unvermeidlichen Mehrkosten zu rechtfertigen sind. Baufirmen, die sich der Aufgabe gewachsen zeigen. Und eine aufgeschlossene Öffentlichkeit.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Über Stuttgart, dessen Ruf in den vergangenen Jahren in mancher Hinsicht gelitten hat, standen die Sterne mindestens einmal günstig. Der Neubau der John Cranko Schule der Württembergischen Staatstheater, in der Ballettnachwuchs unterrichtet wird, ist das Meisterwerk geworden, das dem internationalen Renommee der Ausbildungsstätte gerecht wird. Es war das Zusammenspiel der handelnden Personen, das den Erfolg möglich gemacht hat. Der langjährige Ballett-Intendant Reid Anderson warb in Politik und Wirtschaft um Unterstützung, der Autohersteller Porsche machte zehn Millionen Euro locker. Tadeusz Matacz, der die Schule seit 1998 leitet, entwickelte das Raumprogramm, und die Jury des Architektenwettbewerbs traf 2011 die richtige Entscheidung – nicht für den Vorschlag eines der Stars unter den dreißig Teilnehmern, sondern für den Entwurf eines damals nahezu unbekannten Büros, Burger Rudacs Architekten aus München.

          Haus mit zwei Adressen

          Ihrem nun fertiggestellten Bau gelingt es, gleichzeitig als Solist aufzutreten und Ensemblegeist zu beweisen. Die schwierige Topographie des steilen Hanggrundstücks in bester Halbhöhenlage oberhalb der Staatsgalerie haben Stefan Burger und Birgit Rudacs gemeistert, indem sie den Bau als Terrassenhaus angelegt haben, das einen Höhenunterschied von immerhin 21 Metern überwindet. Auf diese Weise ist es ein Gebäude mit zwei Adressen geworden, dem Urbansplatz auf der Talseite und der Werastraße auf der Bergseite.

          Blick in einen der vier großen Ballettsäle, der durch Oberlichter und eine Fensterfront nach Westen belichtet wird. Bilderstrecke
          Konzentration aufs Wesentliche : Eindrücke der John Cranko Schule

          Mit seiner Kubatur fügt sich der Baukörper an beiden Enden in die Nachbarschaft ein. Aber auch Fassadengestalt und Funktion reagieren auf die jeweilige Umgebung. Oben im Wohngebiet an der Werastraße sind die kleinen Zimmer des Internats in einem viergeschossigen Baukörper untergebracht, der sich mit seiner Lochfassade unauffällig gibt. Unten am Urbansplatz, neben dem Altbau der Musikhochschule und gegenüber der Rückseite der Staatsgalerie, ist der Probensaal für das Ballett plaziert, dessen Bühne im Opernhaus in Originalgröße nachgebildet wurde. Er kann auch als kleines Haus des Tanztheaters mit 200 Zuschauerplätzen dienen. So entsteht ein Nebenzentrum des Kulturquartiers. Mit seiner weitgehend geschlossenen Fassade, die nur von der Glasfront des Foyers und dessen Balkon aufgelockert wird, ist der Neubau hier von massiver, aber nicht erdrückender Präsenz.

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