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Denkmalkultur in Berlin : Wir können uns nicht erinnern

Eine Demonstration gegen die geplante Wippe auf dem Sockel des Nationaldenkmals vor dem Berliner Schloss im Jahr 2017 Bild: dpa

Berlin hadert mit seinen Gedenk-Orten: Nur – worum geht es im Streit um die Wiedervereinigungs-Wippe und die Zukunft des Checkpoint Charlie?

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          Früher war alles einfacher, jedenfalls bei Denkmälern. Sollte an etwas erinnert werden, schaute der Bildhauer in einem Handbuch namens „Iconologia“ nach, für das der Künstler Cesare Ripa, ein Autodidakt und Koch am Hofe von Kardinal Anton Maria Salviati, jeweils eine Verkörperung für die verschiedensten Phänomene der Welt entworfen hatte, den Mut, den Sieg, die Gerechtigkeit. Man baute ein paar solcherart allegorisch ausgerüstete Figuren auf einem Podest auf, fertig war das Denkmal.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Moderne hat diesen Verkörperungen den Garaus gemacht, und seitdem schlingern die Gestalter von Gedenk-Orten von einer schiefen nichtgegenständlichen Metapher zur anderen. Das schiefste Bild aller Zeiten hat sich Berlin im Fall des Wettbewerbs für das sogenannte Freiheits- und Einheitsdenkmal geleistet, das an die friedliche Revolution von 1989 erinnern und vor dem neu errichteten Berliner Schloss aufgestellt werden sollte: Der Siegerentwurf ist eine monumentale Wippe, die aus der Ferne an eine längliche Obstschale erinnert. Betritt eine größere Menge sie und läuft gemeinsam von einer Seite zur anderen, neigt sich die Schale in diese Richtung.

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