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Streit um Völkerkundemuseum : Erhobenen Hauptes

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Spätestens in den Ratssitzungen tritt dieser Widerspruch zutage. Dort bittet Gerner die Abgeordneten, ihre Fragen zum Streit schriftlich an die Kuratoriumsmitglieder zu richten, worauf Hilde Stolz von der „Bunten Linken“ erklärt, das habe sie getan und Gerner sei es gewesen, der geantwortet habe. Es handele sich um einen „Streit innerhalb der Stiftung“, sagt Gerner den Räten dem Protokoll zufolge, da „nicht die Stadt Heidelberg als Gebietskörperschaft Mitglied dieser Stiftung sei, sondern nur die Person des Oberbürgermeisters“.

Die Stadtresidenz in Heidelberg.

In der Satzung steht etwas anderes: Im Kuratorium müsse „die Stadt Heidelberg“ vertreten sein „durch ihren Oberbürgermeister“. Und auch Würzner führt Öffentlichkeit und Parlamentarier in die Irre. In seiner Antwort auf Pavalois Nazi-Vergleich schreibt er: „Der Historiker Prof. Dr. Frank Engehausen hat als unabhängiger Gutachter in seiner Studie von 2008 die Geschichte der Stiftung akribisch aufgearbeitet von den Anfängen bis in die siebziger Jahre und die Rolle der Stadt geklärt.“ Dabei umfasst dessen Publikation explizit nur den Zeitraum von der Stiftungsgründung bis 1955. Misswirtschaft und Einflussnahme in der Stiftung danach bleiben im Dunkeln. „Das sind zwei dicke Lügen“, klagt Stolz.

Die Verschleierung hat Methode. So versucht Pavaloi nicht erst seit gestern, mehr Geld für ihr Museum zu bekommen – und zeigt einen Antrag von 2007 vor, der unberücksichtigt blieb. Gerner indes behauptet das Gegenteil: „Die haben das einfach verpennt“, schreit er im Rathaus so laut, dass er beinahe vom Stuhl kippt. Der damalige Kulturamtschef Hans-Martin Mumm springt ihm zur Seite und bestätigt am Telefon: „Es gab keine Anträge. Jedenfalls nicht regelmäßig und nicht in der Form, wie Frau Pavaloi das gerne hätte.“ Aber er habe die Akten nicht greifbar, womöglich stehe da auch etwas anderes drin.

Da ist es wieder, das „tragfähige Konzept“

Mehr Geld, sagte der Stadtsprecher Achim Fischer vor einem Jahr dieser Zeitung, gebe es nur mit einem „tragfähigen Konzept“. Hatte das Museum bisher denn keines? Pavalois Betrieb sei veraltet, behauptet Sparkässler Moraw: „Alles ist ein bisschen verstaubt.“ Von einem „Überseegeist“ zeuge er, sei „exotisierend“, sagt Hans-Martin Mumm am Telefon. Als „letztes Bollwerk traditioneller Ethnologie“ hatte Johannes Beltz vom Zürcher Rietberg-Museum das Haus nach einem internationalen Workshop mit Ethnologen im vergangenen Jahr kritisiert. Es sei wohl zu Missverständnissen gekommen, sagt er am Telefon gehetzt und möchte sich nicht weiter äußern.

„Beltz betreibt rohe, völlig haltlose Polemik“, meint der Diskussionsleiter des Workshops Joseph Maran. „Das Ziel des Kuratoriums schien mir, Frau Pavaloi in eine defensive Rolle zu drängen, Pfeile auf sie abzuschießen. Im Gegensatz zu den anderen durfte sie zum Beispiel keinen Impulsvortrag halten. Um Inhalte ging es bei diesen Sticheleien kaum.“ Die Experten der anderen Museen hätten sie nicht kritisiert, sondern bewundert, mit wie wenig Mitteln Pavaloi ihre Arbeit leiste. „Überhaupt kenne ich keinen Kollegen in Heidelberg, der ihre Arbeit nicht schätzt.“ Außerdem habe Beltz seine Kritik erst im Nachhinein in einer Mail an das Kuratorium geäußert: „Und nun wird seine Privatmeinung als Ergebnis des Workshops ausgegeben“, ärgert sich Koepff in einem weißen Ledersessel mit Neckarblick.

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