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„Mein Kampf“-Veröffentlichung : Hitler trägt einen Barcode

Die Zeitung „Libération“ fasst den Streit um die französische Publikation von „Mein Kampf“ ins Titelbild. Bild: Libération/Verlag

Der Verlag Fayard will „Mein Kampf“ auf Französisch veröffentlichen, in einer kommentierten Ausgabe. Kritiker können dem Plan nichts abgewinnen: Die Neuauflage sei gefährlich.

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          Der Verlag Fayard hat vor ein paar Tagen angekündigt, dass er „Mein Kampf“ in einer Neuübersetzung und als kritische Edition im Laufe des kommenden Jahres wieder in den Buchhandel bringen werde. Als Herausgeber soll eine Historikerkommission eingesetzt werden, deren Zusammensetzung noch nicht öffentlich bekanntgegeben wurde. Mit der Übersetzung wurde Olivier Mannoni, der die Werke vieler deutscher Schriftsteller ins Französische übertragen hat, beauftragt.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

          Seit der Ankündigung reißen die Reaktionen nicht ab. Der linksextreme Politiker Jean-Luc Mélenchon („Front de Gauche“) will, dass Fayard auf das Vorhaben verzichtet. Mélenchon ist Verfasser des Pamphlets „Bismarcks Hering. Das deutsche Gift“. Er profiliert sich als Antifaschist gegen Marine Le Pen. „Mon combat“, erklärt er, sei das Todesurteil für sechs Millionen Juden gewesen. Auch für die fünfzig Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs macht er das „verbrecherischste Buch der Neuzeit“ verantwortlich. Moralisch sei eine Neuauflage nicht zu rechtfertigen. Und politisch sei sie gefährlich.

          In den Zeitungen wird heftig über das Für und Wider der Publikation diskutiert. Der „Figaro“ befasste sich auf einer ganzen Seite mit der Debatte, „Libération“ widmete ihr die Titelgeschichte und machte aus Hitlers Schnauzbart einen Barcode. Der Historiker Christian Ingrao hält Mélenchon entgegen, dass „Mon Combat“ überhaupt kein programmatisches Buch sei: „Weder die Todesfabriken noch die Einsatzgruppen sind darin angekündigt.“ Ingrao hält die Neuauflage für eine Notwendigkeit im Kampf gegen Tabuisierung und Instrumentalisierungen.

          Originalausgabe: „Mein Kampf“ in einer Auflage aus dem Jahr 1925.

          Skeptisch gibt sich der Historiker Johann Chapoutot, der an der Sorbonne lehrt. Er verweist auf die geplante kritische Ausgabe von „Mein Kampf“ des Instituts für Zeitgeschichte in München, die auch den französischen Historikern zugänglich sein werde. Gegen eine französische Veröffentlichung sprächen viele Gründe, für sie gibt es nach Ansicht von Johann Chapoutot lediglich ein einziges Argument: zu zeigen, wie dürftig „Mein Kampf“ ist.

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