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Sterbehilfe : Warteliste zum Selbstmord

  • -Aktualisiert am

Der ehemalige Hamburger Justizminister Roger Kusch nimmt seine umstrittene Tätigkeit als Sterbehelfer wieder auf Bild: AP

Für Ehepaare ist auch der „Doppelsuizid“ im Angebot: Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat erneut einen Verein zur Sterbehilfe gegründet. Seine Motive und Absichten bleiben vage, aber die Rückkehr ist medial gut vorbereitet.

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          Roger Kusch, Missionar der organisierten Suizidbeihilfe und ehemaliger Hamburger Justizsenator, ist wieder da und mit ihm ein neuer Verein „SterbeHilfeDeutschland e.V.“. Die Rückkehr ist medial gut vorbereitet: Eine große Geschichte mit einem Interview in der „Bild“-Zeitung schafften einen guten Resonanzboden. „Dr. Tod macht weiter“ titelte das Blatt, dafür durfte Roger Kusch dort ankündigen, dass „zwanzig bis dreißig Leute mit konkreten Suizidabsichten“ auf seiner Warteliste stünden.

          Wie die von ihm organisierte Beihilfe zum Suizid künftig ablaufen soll, lässt Kusch weitgehend unbestimmt. Anonym bleibende Ärzte und nicht namentlich genannte ehrenamtliche Sterbehelfer sollen die konkrete Arbeit leisten. Wer Suizidbeihilfe erhalten will, heißt es, müsse Vereinsmitglied sein. Aus der Satzung des Vereins ergibt sich zwar, dass der Verein Mitglieder unterstützt, nicht aber, dass Nichtmitglieder keine Unterstützung erhalten können: „Bei hoffnungsloser Prognose, unerträglichen Beschwerden oder unzumutbarer Behinderung setzt sich der Verein für einen begleiteten Suizid ein. Er unterstützt seine Mitglieder in ihrem Wunsch nach einem selbst bestimmten Lebensende.“

          Was kostet die Sterbehilfe?

          Die Unbestimmtheit der Befunde, die Voraussetzung für eine Suizidbeihilfe sein sollen, dürfte beabsichtigt sein: Kusch hatte auch beim ersten Anlauf als Sterbehelfer großen Wert darauf gelegt, Menschen in den Tod begleiten zu können, deren gesundheitliche Lage nicht aussichtslos war. Im neuen Werbefaltblatt wird betont, dass, bei Erfüllung der Voraussetzungen, auch eine „begleiteter Doppelsuizid“ möglich sei, da „der Wunscheines Ehepaares“ respektiert werden solle „das Leben gemeinsam zu beenden“.

          Sterbehilfe will Roger Kusch mit seinem neuen Verein auch für Ehepaare anbieten, die gleichzeitig aus dem Leben scheiden wollen
          Sterbehilfe will Roger Kusch mit seinem neuen Verein auch für Ehepaare anbieten, die gleichzeitig aus dem Leben scheiden wollen : Bild: AP

          Vage bleiben auch die Aussagen über die Kosten. Vereinsmitglieder zahlen hundert Euro Jahresbeitrag. Aber nirgendwo steht, dass für die Suizidbegleiung keine weiteren Beträge gezahlt werden müssen. Im Werbeflyer des Vereins heißt es eher dunkel: "Was kostet Sterbehilfe? Der Verein bekommt von seinen Mitgliedern kein Honorar." Was aber wenn Nichtmitglieder beim Suizid begleitet werden? Und welche Kosten für Medikamente, Fahrtkosten, Gutachten oder Arztatteste fallen an, die nicht als Honorar berechnet werden? Die Antworten auf diese Fragen sind wichtig, weil sich aus ihnen ergibt, ob der neue Anlauf Roger Kuschs Sterbehilfe persönlich oder mit Hilfe eines Vereins zu praktizieren als Gewerbe qualifiziert werden kann oder nicht. An diesem Problem ist Kusch voriges Jahr vor dem Verwaltungsgericht gescheitert. Damals hatte er offen 8000 Euro pro Suizidbeihilfe gefordert und musste sich vom Verwaltungsgericht Hamburg vorhalten lassen: "Die kommerzielle betriebene Suizidbegleitung ist kein erlaubtes Gewerbe, so dass sie auf Grund der polizeirechtlichen Generalklausel unterbunden werden kann wegen Störung der öffentlichen Sicherheit."

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