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Suizidhilfe-Debatte : Wenn es ganz unerträglich wird

  • -Aktualisiert am

Rechtssicherheit und standesethische Akzeptanz für Ärzte würden organisierte Laien-Suizidhilfe absehbar überflüssig machen: Zimmer der Züricher Sterbehilfe-Organisation Dignitas Bild: dpa

Sterben in Würde und Autonomie: Ist das zu viel verlangt? Schwerkranke müssen Ärzte auch um einen letzten Dienst bitten können. Plädoyer für die Liberalisierung der Suizidhilfe.

          Mitte November wird der Bundestag eine erste Debatte über das „Sterben in Würde“ führen. Sie soll nach dem Vorschlag von Gesundheitsminister Gröhe (CDU) und anderen Parlamentariern im kommenden Jahr zu einem gesetzlichen Verbot von Suizidbegleitung führen - für Ärzte wie für Sterbehilfe-Organisationen. Dagegen befürwortet eine Gruppe um Peter Hintze (CDU) und Carola Reimann (SPD) die Herstellung von Rechtssicherheit für ärztliche Suizidhilfe innerhalb klarer Grenzen. Noch wird an Entwürfen und Eckdaten gearbeitet; am Ende werden die Abgeordneten nach ihrem Gewissen entscheiden. Auf dem Wege dahin sollte die Debatte von Missverständnissen, rhetorischen Beschwörungen, Mehrdeutigkeiten und bloßen Spekulationen befreit werden.

          Zunächst einmal: Rechtspolitisch geht es einzig um Hilfe zum frei verantwortlichen Suizid. „Frei verantwortlich“ meint, dass der Patient bei klarem Verstand entscheidet, voll informiert und ohne Druck von außen. Nicht frei verantwortliche Suizidabsichten, wie sie unter Drogen, bei psychischer Krankheit oder im Affekt entstehen und der großen Mehrzahl der etwa 10 000 jährlichen Selbsttötungen in Deutschland zugrunde liegen, stehen auf einem anderen Blatt. Sie sind zu verhindern, und zwar schon beim bloßen Verdacht auf fehlende freie Verantwortlichkeit. Niemand würde dem widersprechen.

          Außerdem: Nur die Hilfe zur Selbsttötung, nicht aber die anderen möglichen Formen von Sterbehilfe stehen zur Diskussion. Sterbenlassen durch Behandlungsverzicht (passive Sterbehilfe) ist, wenn der Patient dies wünscht, eine übliche Praxis und ein verbrieftes Patientenrecht. Dasselbe gilt für eine Sterbebeschleunigung im Gefolge bestmöglicher Schmerztherapie (indirekte Sterbehilfe).

          Rechtspolitisch kein Problem

          Auf der anderen Seite ist die Tötung auf Verlangen (aktive Sterbehilfe) in Deutschland strafbar, und so gut wie niemand plädiert dafür, davon abzurücken. Dies gilt umso mehr, als jeder Patient, der die Bedingung der freien Verantwortlichkeit erfüllt, sich durch Augenbewegung und mit Hilfe moderner Computertechnik eine tödliche Infusion und somit den Tod „von eigener Hand“ geben könnte. Wie immer man den Unterschied in der Tatherrschaft - hier der Patient selbst, dort ein anderer in seinem Auftrag - moralisch beurteilt: Rechtspolitisch steht aktive Sterbehilfe überhaupt nicht zur Diskussion, auch wenn Politiker gerade reihenweise verlauten lassen, sie seien dagegen.

          Frei verantwortliche Selbsttötung ist hierzulande seit mehr als 250 Jahren rechtlich zulässig. Ein Verbot wäre verfassungswidrig. Zulässig sind bisher im Prinzip auch Hilfe und Begleitung durch andere. Aber Sterbehilfe-Organisationen, von denen es augenblicklich in Deutschland nur eine aktive und eine vermittelnde gibt, sollen ja nun gerade verboten werden. Und Hilfe durch Ärzte wird schon jetzt durch Standesrecht und Standesethik verbarrikadiert. Dies gilt auch dort, wo die Landesärztekammern kein striktes Verbot aussprechen, sondern zum Teil auf ein „Ärzte sollen nicht“ ausweichen, und auch wenn die standesrechtlichen Sanktionen nicht automatisch bis zum Entzug der Approbation führen (dem Berliner Arzt Uwe Christian Arnold drohte eine Geldbuße von 50 000 Euro).

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