https://www.faz.net/-gqz-7w7t5

Sterbehilfe-Debatte : Das geht uns alle an

  • -Aktualisiert am

Jedem geht das Thema Sterbehilfe nah. Bild: dpa

Jetzt gilt’s: Am Donnerstag debattiert der Bundestag über Suizidhilfe. Selten berührt ein Thema die Abgeordneten in diesem Ausmaß. Es gibt dramatische Einzelfälle. Doch dürfen die maßgeblich sein?

          Wenn die Tagesordnung des Bundestages zuverlässig Auskunft darüber gibt, was derzeit für besonders wichtig erachtet wird, dann können die Biopolitiker zufrieden sein: Mehr als vier Stunden sind für diesen Donnerstag eingeplant, um über Sterbebegleitung zu diskutieren. Besonders erstaunlich: Es ist eine freie Debatte, der kein einziger ausgearbeiteter Gesetzentwurf zugrunde liegt. Im besten Fall wird es also eine offene Debatte; im schlechteren Fall bildet sie bloß die Beliebigkeit und Ziellosigkeit des öffentlichen Diskurses ab, in dem selten gelingt, zwischen Sterbehilfe, Tötung auf Verlangen, Sterbebegleitung und Suizidbeihilfe zu unterscheiden.

          Gerade erst haben drei Unionsabgeordnete erläutert, warum es zum Schutz der menschlichen Würde am Ende des Lebens ein strafrechtliches Verbot der organisierten Suizidbeihilfe, wie sie einzelne Sterbehilfevereine und Ärzte betreiben, geben muss. Bundestagsvizepräsident Peter Hintze dagegen hatte Sympathien für den von vier Wissenschaftlern präsentierten Vorschlag erkennen lassen, Ärzten durch eine strafrechtliche Ausnahmevorschrift Suizidbeihilfe in bestimmten Fällen ausdrücklich zu gestatten. Unlängst war er dann aber selbst mit Eckpunkten angetreten, die ärztlich assistierten Suizid im Umfeld des Betreuungsrechts im Bürgerlichen Gesetzbuch sogar legalisieren sollten. Neuerdings sieht er sogar die Möglichkeit, seine Vorstellungen durch eine Änderung des ärztlichen Standesrechts zu verwirklichen.

          Lösung für Ausnahmefälle

          Nur in einem sind sich alle einig: Die Hospiz- und die Palliativversorgung müssen erheblich verbessert werden. Gegen den Trend, auch in der Krankenversorgung den Rotstift anzusetzen und zunehmend selbst bei medizinisch sinnvollen Leistungen zu sparen, sollen in die Behandlung von Patienten am Lebensende deswegen auch zusätzliche Mittel fließen. Das ist erfreulich, auch wenn sich dabei offenbaren könnte, dass Menschen erst am Ende ihres Lebens die gute medizinische und pflegerische Behandlung erfahren könnten, die ihnen beizeiten mehr Lebensqualität beschert hätte. Das Bemühen um eine gute medizinische Behandlung am Lebensende zeigt auch, dass es in der ansonsten äußerst kontrovers geführten Debatte um Suizidbeihilfe um keinen Werte-Dualismus geht, in dem sich auf der einen Seite hartleibige Hardliner profilieren, die Menschen für ein höheres Ideal am Lebensende leiden lassen, und auf der anderen Seite liberale Anhänger der Selbstbestimmung, die aufopferungsvoll für die Vermeidung von Qualen streiten.

          Wir werden alle einmal sterben; deswegen reden alle naturgemäß immer über Vorkehrungen für ihren eigenen möglichen Fall. Die Vielzahl an Möglichkeiten, eine Suizidbeihilfe gar nicht, ein bisschen, ein bisschen mehr, viel oder grundlegend rechtlich zu regulieren, geben auch Auskunft darüber, wie schwer, aber auch, wie wichtig es ist, hier allgemein geltende Lösungen zu finden – auch wenn alle, wie das Leben selbst, vermutlich unter dem Vorbehalt der Endlichkeit stehen.

          Eine solche persönliche Betroffenheit derer, die Gesetzgeber sind, ist ungewöhnlich. Hilfreich kann sie nur werden, wenn sie offen thematisiert und dennoch eine rechtliche Regelung gefunden wird, die Allgemeingültigkeit beanspruchen kann. Die zweifellos existierenden dramatischen Extremfälle zeigen nur, wie nötig es ist, auch eine Lösung für Ausnahmefälle parat zu haben – als Grundlage für allgemeine Regeln taugen sie dagegen nicht.

          Weitere Themen

          Türkiye demokrasisinin üvey evlatları: Kürtler

          İstanbul’dan mektuplar : Türkiye demokrasisinin üvey evlatları: Kürtler

          Ankara, daha seçilmelerinin üzerinden 5 ay bile geçmeden HDP’li 3 belediyeye neden kayyum atadı? Erdoğan, muhalefetin milliyetçi oylarını almak ve Kürtleri sandığa küstürerek muhalefet blokundan koparmak istiyor. Nihai hedef ise İstanbul seçimleriyle birlikte karşısında oluşan muhalefet blokunu, 2023 Saray seçimlerinden önce parçalamak.

          Topmeldungen

          Waldbrand im Naturpark Chapada dos Guimaraes im brasilianischen Amazonasgebiet.

          Vor G-7-Gipfel : Es brennt

          Werden die Tage in Biarritz vom Bemühen um Geschlossenheit geprägt sein oder von Eklat, Zerwürfnissen und Widerlagern? Fest steht schon jetzt: Der Westen hat gerade nicht seine stärksten Tage.
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Asteroid Ryugu : Poröser Schutthaufen in den Tiefen des Alls

          Der Landesonde „Mascot“ blieben im vergangenen Jahr nur wenige Stunden, um die Oberfläche des Asteroiden „Ryugu“ zu erkunden. Die Zeit reichte, um sich ein Bild von dem urtümlichen Himmelskörper zu machen, wie die nun veröffentlichte Daten und Fotos zeigen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.