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Bertelsmann vor Gericht : Stephen King im Zeugenstand

  • -Aktualisiert am

Stephen King vor seinem Auftritt vor Gericht Bild: Reuters

Die Nerven bei Bertelsmanns Buchverlag liegen blank, seit eine große Verlagsübernahme gestoppt wurde. Jetzt erschien Bestseller-Autor Stephen King vor Gericht – ein folgenreicher Auftritt.

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          Ob Netflix schon um die Rechte an diesem Krimi aus der internationalen Verlagswelt buhlt? Allein, dass der gefürchtete Anwalt Petrocelli so heißt wie der freundliche Protagonist aus der gleichnamigen Anwaltsserie, muss eine Kontrafiktion sein. Weil der eine sich im amerikanischen Fernsehen der Siebzigerjahre pro bono für seine Klienten aufopferte und deshalb im Wohnwagen hausen musste, während der andere gegenwärtig eine der umkämpftesten Fusionen der Verlagsgeschichte vorantreibt. Penguin Random House will Simon & Schuster kaufen, doch seit der Deal um Milliarden, Fiktionen und Autoren vom Justizministerium gestoppt wurde, liegen die Nerven blank bei Bertelsmanns Buchverlag.

          I’m Stephen King. I’m a freelance writer.

          Eigentlich ist das die richtige Atmosphäre für Daniel Petrocelli. Jetzt allerdings hatte er es im Gerichtssaal mit einem Gegner auf Augenhöhe zu tun. Das Ministerium, das selbst vor einem Prozess gegen die geplante Übernahme nicht zurückschreckte, hatte keinen Geringeren als Stephen King in den Zeugenstand gerufen. Und King, der sich noch vor wenigen Tagen während eines russischen Fake-Anrufs um Kopf und Kragen redete – er dachte, er spreche mit dem ukrainischen Präsidenten –, wusste diesmal seine Worte zu platzieren, von der ersten Minute an. Schon die Auftaktfrage nach seinem Berufsstand konterte er zur Belustigung des Publikums mit dem Geständnis: „I’m Stephen King. I’m a freelance writer.“

          Das war so wahr wie entwaffnend selbstironisch für einen Mann, dessen Bücher sich mehr als 400 Millionen Mal verkauft haben, was vielleicht nur noch von der Bibel und Maos Gedichten getoppt wird. King jedenfalls teilt die Auffassung der Anklage, dass die Verlagsfusion zu weniger Wettbewerb führe und daher zulasten der Autoren gehe. Kings eigene Karriere begann bekanntlich mit einem 2500-Dollar-Scheck, den er für sein Debüt „Carrie“ erhielt – allerdings erst, nachdem seine Frau das weggeworfene Manuskript wieder aus dem Müllereimer gefischt hatte. Zur Illustration des komplizierten juristischen Sachverhalts gab er so manche heitere Szene aus seinem literarischen und ökonomischen Schaffen preis. Dabei wusste er nicht zuletzt die Richterin zu umgarnen, die ihn, als er über seinen Flop „The Gunslinger“ berichtete, fast schon wie ein Fan unterbrach: „Ich muss Sie das fragen! Wie hat sich der Roman verkauft?“

          Filmreifer Verzicht aufs Kreuzverhör

          1500 Mal, erhielt die Frau zur Antwort, die dereinst über den 2,2-Milliarden-Dollar-Deal entscheiden wird. Angst, Wut und Verdrängung, das sind die Grunderfahrungen in den Plots von Stephen King mit den jeweils ungeahnten Konsequenzen. Als der Anwalt Petrocelli den Schriftsteller schließlich ins Kreuzverhör nehmen sollte, lud der ihn stattdessen zum Kaffee ein mit dem Hinweis, keine Fragen an ihn zu haben. Ein filmreifer Verzicht, der manch einen nervös machen dürfte.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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