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Stauffenberg-Verfilmung : Deutschlands Hoffnung heißt Tom Cruise

  • -Aktualisiert am

Ein Superstar für Deutschland: Tom Cruise Bild: AP

Tom Cruise, der erfolgreichste aller Superstars, will unseren Stauffenberg spielen: Da sollte sich Deutschland glücklich schätzen. Statt dessen gibt es Proteste. Regisseur und Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck über Hollywood und die deutsche Verbotsgeilheit.

          Meine ganze Kindheit hindurch wurde am elterlichen Esstisch kaum etwas so häufig besprochen wie der 20. Juli 1944. Allerdings ging es nicht so sachlich zu wie bei anderen historischen Themen. Wenn wir auf die Verschwörer zu sprechen kamen, geriet meine - sonst eigentlich recht rationale - Mutter in einen Zustand fast hysterischer Erregung.

          Sie wurde nicht müde, zu betonen, dass es niemanden auf der Welt gebe, den sie so sehr bewunderte wie Stauffenberg, niemanden, niemanden! Ihre Stimme wurde dabei seltsam hoch, und es machten sich rote Flecken um ihre Kehle breit. Wer weiß, was genau dahinterstand. Vielleicht dass ihr Vater aus einem ähnlichen familiären Umfeld kam wie die Verschwörer, viele von ihnen sogar kannte, selber aber nie etwas unternommen hatte?

          Vielleicht aber hatte sie im Kopf auch einmal durchgespielt, ob sie selbst den Mut gehabt hätte, das Leben ihrer Kinder durch eine solche Tat aufs Spiel zu setzen, und war zu einem ungewissen Schluss gekommen? In jedem Fall nahm ihre Verehrung seltsame Ausmaße an: Wenn wir in eine neue Stadt zogen, suchte sie Hinterbliebene der Widerstandskämpfer auf (selbst in New York fand sie einen Sohn Ulrich von Hassels) und brachte ihnen eine Verehrung entgegen, die sich schwer mit ihrem sonst sehr kritischen Blick auf Menschen vereinbaren ließ.

          „Cruise wird das Ansehen Deutschlands befördern”: Florian Henckel von Donnersmarck

          Und wenn sie einen leibhaftigen Widerstandskämpfer ausfindig machen konnte, wie die alte Gräfin Yorck in Berlin, so wurde es schon fast bedenklich: Nur selten in meiner Kindheit machte ich meine Mutter so zornig, wie als ich es wagte, mir als Zehnjähriger an einem Sommertag im Garten von Marion Yorcks Dahlemer Villa das Hemd auszuziehen, weil mir heiß wurde. Hätte ich es mitten im kirchlichen Hochamt während der Wandlung augezogen - die Reaktion hätte nicht heftiger sein können.

          Ein unbekanntes Kapitel unserer Geschichte

          Auf diesem Gebiet familienbedingt sensibilisiert, weiß ich also: Wenn man heute im Ausland vom innerdeutschen militärischen Widerstand gegen Hitler spricht, runzelt fast jeder verwundert die Stirn. Und wenn einer doch vom 20. Juli weiß, so klingen ihm Churchills Worte in den Ohren, der das Attentat vor dem englischen Unterhaus beschrieb als „mörderischen, vernichtenden (,internecine') Machtkampf, in dem sich die höchsten Persönlichkeiten des Deutschen Reiches gegenseitig umbringen“.

          Aber es ist nicht die Schuld der Alliierten, dass der Widerstand im Ausland ein so unbekanntes Kapitel unserer Geschichte geblieben ist (obwohl man bei Joachim Fest nachlesen kann, wie die Besatzungsmächte die Memoiren Schlabrendorffs und Pechels auf ihren Index verbotener Bücher setzten). Nein, das ist hauptsächlich auf Deutschland selbst zurückzuführen. Denn auch in Deutschland hätte man dem französischen Vorbild folgen und die Widerstandskämpfer offiziell zu den einzig wahren Vertretern der Nation stilisieren können. Stattdessen aber beschloss man, die Existenz Stauffenbergs und der anderen Attentäter auf Staatsebene erst einmal klein zu halten.

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