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Eine Gesellschaft im Laufmodus : Wie gut oder böse ist Jogging?

Hüpfende Jogger, immerhin ohne Hund im Rucksack, an Hamburgs Außenalster Bild: dpa

Morgens macht sich die laufende Gesellschaft fit für den Tag – und was für einen! Wo keuchen Sie denn? Gedanken über die Verwandlung des Menschen zur wundersamen Laufmaus.

          5 Min.

          Wenn sie wenigstens aufwachen würden und dann erst hüpfend vor die Tür. Aber oft wirkt’s wie bei schlafenden Hunden, die im Traum die Beine bewegen: wild ausagierte Innerlichkeit ohne Blick für das, was draußen passiert. Die Beschwerden übers Joggen nehmen zu (die Beschwerden beim Joggen auch, aber sollen die Menschen zu Hause verfetten und verrückt werden?). Die Bewegten ignorieren das. Sie telefonieren beim Joggen. Sie pfeifen beim Joggen. Sie schreiben Textnachrichten beim Joggen. Sie schieben den Kinderwagen joggend in den Stoßverkehr am Autobahnzubringer, oder von der Brücke in die Spree.

          Dietmar Dath
          (dda.), Feuilleton

          Sie hören Billie Eilish, Shindy oder den späten Beethoven beim Joggen. Sie lauschen einem heiseren Motivationstrainer, der verrät, in was für Schlangenlinien sie ganz nach oben eilen müssen, sonst holt sie der Karriere-Sensenmann (auf dem Elektroroller). Sie joggen zu viert nebeneinander auf dem schmalsten Waldweg der Welt, zertrampeln das Gänseblümchen, erschrecken den Pilz und traumatisieren den Igel. Sie reden beim Joggen keuchend über Investitionen, Immobilien, Inflation und Illusion. Sie röcheln und ächzen, spucken und husten. Das tun sie nicht, bevor man an ihnen vorbeigeht. Das tun sie nicht, wenn man an ihnen bereits vorbeigegangen ist. Das tun sie nur auf gleicher Höhe, damit man es mit- und abkriegt.

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