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105 Millionen Euro : Spendensoll für umstrittene Fassade am Humboldt Forum erfüllt

  • Aktualisiert am

Blick über die Spree auf das Humboldt Forum Bild: dpa

Lange Zeit sei nicht sicher gewesen, ob das 2002 vom Förderverein Berliner Schloss gegebene Versprechen tatsächlich eingehalten wird. Der Vorsitzende ruft zu weiteren Spenden in Millionenhöhe auf.

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          Die weitgehend nach historischem Vorbild rekonstruierte Fassade des Berliner Stadtschlosses gehört seit den ersten Planungen zum heftig umstrittenen Teil des neuen Humboldt Forums. Die Realisierung war gebunden an ausreichend Spenden. Nun ist die Zielmarke erreicht. „Das Spendenversprechen ist eingelöst“, teilte die Stiftung Humboldt Forum an diesem Samstag in Berlin mit. Für die Errichtung der barocken Außenfassade des inzwischen 677 Millionen Euro teuren Projekts seien 105 Millionen Euro gespendet worden.

          Lange Zeit sei nicht sicher gewesen, ob das vom Förderverein Berliner Schloss 2002 an den Bundestag gegebene Versprechen tatsächlich eingehalten wird. Als Dank für das ehrenamtliche Engagement erhielten die rund 45.000 Spender am ersten Adventswochenende exklusiv die Gelegenheit, in einer zweistündigen Livesendung als erste das wiederaufgebaute Stadtschloss der Hohenzollern am Bildschirm anzusehen. Dabei dankte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Spendern.

          Die Einhaltung des Versprechens sei „vor allem und zum größten Teil dem unermüdlichen Einsatz von Wilhelm von Boddien, dem Geschäftsführer des Fördervereins Berliner Schloss“ zu verdanken, hieß es. Der Geschäftsführer des Fördervereins rief zu weiteren Spenden in Höhe von 7,5 Millionen Euro auf. Damit sollten weitere Arbeiten an den Balustraden und Portalen ermöglicht werden.

          Offensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

          Für die originalgetreue Herstellung der barocken Außenfassaden sowie im Schlüterhof waren zunächst 80 Millionen Euro an Spenden kalkuliert worden. Nach dem Architekturwettbewerb 2008 kam ein Betrag von 25 Millionen Euro hinzu. Grund war die im Siegerentwurf des Architekten Franco Stella vorgesehene zusätzliche Wiederherstellung dreier Innenportale sowie der Durchgänge und die vollständige Rekonstruktion von Kuppel und Kreuz auf dem Bau. Darauf fordert ein weithin sichtbarer Bibelspruch die Unterwerfung aller Menschen unter das Christentum.

          Drei Seiten der gespendeten Fassade sind eine Rekonstruktion des 1950 zerstörten früheren Stadtschlosses der Hohenzollern. In die Zeit ihrer Herrschaft wurde das Deutsche Reich Kolonialmacht, von 1884 bis 1915 auch im heutigen Namibia. Dort wurden Aufstände von Volksgruppen unter deutschem Befehl brutal niedergeschlagen. Historikern zufolge wurden etwa 65.000 der 80.000 Herero und mindestens 10.000 der 20.000 Nama getötet.

          Auch vor diesem Hintergrund wird bereits kontrovers über die koloniale Vergangenheit von Ausstellungsstücken diskutiert. Das Humboldt Forum will sich nach eigenen Angaben offensiv damit auseinandersetzen. Das riesige Kultur- und Ausstellungszentrum im Herzen Berlins nutzen nach mehreren Eröffnungsetappen von Ende 2021 an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit zwei ihrer Museen, das Land Berlin und die Humboldt-Universität. Gezeigt werden sollen Exponate aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien sowie Objekte zur Geschichte Berlins.

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