https://www.faz.net/-gqz-91l6r

Männerpartei SPD? : Martin Schulz und die Frauen

Martin Schulz nach einem Wahlkampfauftritt auf dem Domplatz in Erfurt Bild: Imago

Die SPD präsentiert sich unter Martin Schulz vor allem als Männerpartei. Warum der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten und seine Partei weiter einen auf Western von gestern machen.

          Vor ein paar Wochen kursierte im Internet ein Reuters-Video, auf dem Martin Schulz den Terroranschlag in Barcelona kommentierte. Er sei „fassungslos, traurig und wütend zugleich“ über diese feige Tat, sagte er, er trauere um die Opfer – nur konnte man sich auf Schulz und seine Rede gar nicht konzentrieren, weil hinter Schulz stehend eine blonde Frau extrem gut gelaunt wilde Zeichen machte. Sie grinste, schüttelte eine Hand, winkte im Stil der englischen Königin einer anderen Person zu, die nicht im Bild zu sehen war. Und das tat ihr hinterher, als der Film in den sozialen Medien verbreitet wurde, natürlich leid.

          Julia Encke

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Es entsetzt mich und macht mich betroffen, dass aufgrund eines unglücklichen Filmausschnitts von mir während eines Pressestatements von Martin Schulz zum Terroranschlag in Barcelona ein falscher Eindruck entsteht. Ich entschuldige mich dafür – bei allen, die mein Verhalten in diesem Ausschnitt verunsichert hat. (Nicht bei den Hetzer*innen der AfD, die ständig danach suchen, um weiter zu hetzen. Denen sind meine Erklärungen sowieso egal)“, schrieb die SPD-Bundestagsabgeordnete Eva Högl auf ihrer Homepage. Und erklärte, dass sie eigentlich zu einem fröhlichen Anlass zusammengekommen waren. Marie Juchacz, eine große Sozialdemokratin, die Gründerin der Arbeiterwohlfahrt, jene Frau, die 1918 das Frauenwahlrecht erkämpfte, die 1919 als erste Frau eine Rede im Reichstag hielt, habe in Kreuzberg ein Denkmal bekommen. Wegen des Anschlags in Barcelona verzichteten sie bei den Feierlichkeiten auf Musik und gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. Niemand von denen, die beim Pressestatement des Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten hinter Martin Schulz standen, habe aber hören können, dass er in diesem Moment über Barcelona sprach.

          Im Mittelpunkt standen nicht Schulz und sein Wahlprogramm

          Dass erst durch ein Missgeschick im Hintergrund das Denkmal für eine so wichtige Frau wie Marie Juchacz die Aufmerksamkeit vieler bekam, ist für die SPD in diesem Wahlkampf typisch. Denn die SPD präsentiert sich unter Martin Schulz immer noch und immer weiter vor allem als Männerpartei. Das fing damit an, dass auf dem Parteitag in Dortmund Ende Juni Gerhard Schröder als Gastredner eingeladen war. Eigentlich hätten Schulz und sein Wahlprogramm im Mittelpunkt stehen sollen, stattdessen feierte die Partei den Mann von früher, der „Wir haben gekämpft, wir haben aufgeholt, und was damals ging, das geht heute auch“ in die Menge rief, woraufhin die Fotografen jenen Augenblick festhielten, in dem Schröder und Schulz sich in den Armen lagen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Missbrauchsfall Lügde : Angeklagter zu Bewährungsstrafe verurteilt

          Der Mann soll nicht direkt an dem Missbrauch beteiligt gewesen sein, sondern per Webcam zugeschaltet. Ein Gutachter hatte ihn für voll schuldfähig erklärt. Die Vorsitzende Richterin nannte die Taten „schäbig und menschenverachtend“.

          Lichtverschmutzung : Der helle Wahnsinn

          Die Nacht verschwindet und mit ihr zahlreiche Tierarten. Dabei wäre es so einfach, das Licht in den Städten zu dimmen, ohne auf Sicherheit zu verzichten. Wie der Wandel gelingen kann, führt die Sternenstadt Fulda vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.