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Die Rechtspopulisten Vox : Sie lieben den Geruch von Panik

Fahnen schwenken, brüllen, filmen: Auf der Plaza de Colòn wissen die Vox-Anhänger am Freitagabend, was die rechtspopulistische Partei von ihnen erwartet. Bild: Elena Witzeck

Zum Wahlkampfabschluss lädt die rechtspopulistische Partei Vox ihre Anhänger auf die Plaza de Colón in Madrid. Sie scheint sich ihres Erfolges schon sehr sicher zu sein.

          Als Santiago Abascal auf die Bühne schreitet, ist die Luft schon fast raus. Die Menschen stehen seit dem frühen Abend auf der Plaza de Colón, haben eineinhalb Stunden für das perfekte Handyfoto die Arme emporgereckt, Fahnen geschwenkt, „Es lebe Spanien“ gesungen und gejohlt, außerdem wird es kalt. Aber dann wirft die Sonne ihre letzten Strahlen genau in dem Moment auf den Platz, als Hunderte Luftballons in den Himmel aufsteigen, und eine noch viel größere Anzahl von Spaniern erhebt ihre Flaggen. Die Luftballons, Sinnbild der Freiheit, schweben davon.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Für ihren Wahlkampfabschluss hat die rechtspopulistische Vox-Partei den Kolumbusplatz in Madrid gewählt. Hier stimmt die Symbolik: Christoph Kolumbus, der Entdecker, Repräsentant der spanischen Kolonialmacht, blickt als neogotische Statue auf eine monumentale Fläche, in dessen Zentrum eine spanische Flagge weht, so massig, dass Madrilenen sich sicher sind, es würde zu einem Verkehrschaos kommen, wenn sie fiele. Dennoch haben die Hundertschaften, die gekommen sind, ihre eigenen Fahnen mitgebracht. Und für jene, die sie vergessen haben, hält der Kiosk am Rande des Platzes ein ganzes Sortiment an rot-gelben Artikeln bereit. Die Anhänger von Vox lieben es, wenn ihre Nationalfarben in der Sonne strahlen.

          Mehr verbindet die Menschen auf dem Platz auf den ersten Blick nicht: Es sind ältere, edel gekleidete Paare unter ihnen, kinderreiche Familien, Männer mit Bärten und karierten Hemden, Mädchen in Daunenjacken, Gruppen von Jugendlichen. Auch diejenigen, die das Werbematerial verteilen, sind jung. Vox hat Chancen auf zehn Prozent der Wählerstimmen am Sonntag – und viele Spanier sind noch ganz unentschieden, welche Partei sie unterstützen wollen. In Andalusien haben es die Rechtspopulisten mit einer Kampagne gegen die Einwanderungspolitik der sozialistischen Regierung im Dezember ins Parlament geschafft.

          „Die Reconquista ist etwas für die Mutigen“

          Aus den Lautsprechern schallt „Can’t hold us“ von Macklemore, und immer noch strömen Menschen auf den Platz. „Es werden noch mehr“, deklamiert ein Jugendlicher mit verspiegelter Sonnenbrille, der mit seinen Schulfreunden gekommen ist, denn Vox sei die einzige Partei, die Spanien verteidige. Wogegen? Natürlich gegen die Separatisten in Katalonien, die das Land entzweien wollen. „Es geht um unsere Zukunft“, sagt der Junge und summt zur Musik. Vox sei die Partei der Jungen.

          Aber die Parteivorsitzenden arbeiten sich an diesem Abend nicht noch einmal an der Katalonienfrage ab. Es reicht völlig, dass die Menschen auf dem Platz „Asesinos“, „Attentäter“ skandieren, wenn die Sprache auf die Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens kommt. So bleibt Zeit für  andere Themen, korrupte Politiker, die Kontrolle der EU, radikale Feministen und voreingenommene Journalisten. „Applaus für das spanische Fernsehen“, sagt  Iván Espinosa, Vizesekretär für Internationale Beziehungen, und wartet die Pfiffe ab, bevor er daran erinnert, dass jeder einzelne mit seinem Handy in den sozialen Netzwerken richtigstellen könne, was die Medien verabsäumen. Die Zeiten, in denen Vox nicht ernst genommen wurde, seien vorbei. Er liebe den Geruch von Panik in diesen Tagen vor der Wahl.

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