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Terrorismus in Spanien : Die Geschichte als blutiger Ort des Gedenkens

Am 20. Oktober 2011 verkünden Mitglieder der Terrorbande ETA in der baskischen Zeitung „Gara“ das Ende der „bewaffneten Aktivität“. Bild: Reuters

Jahrzehntelang wurden die Opfer des Terrorismus in Spanien entweder politisiert oder vergessen. Ein Gedenkzentrum im Baskenland gibt ihnen jetzt eine Stimme.

          10 Min.

          Wem bedeutet ein privates Video noch etwas, wenn es nicht mit dem eigenen Leben zu tun hat? Es gibt eindeutig zu viele davon. Aber das war nicht immer so. Die zusammengefügten Schnipsel von „Home movies“, die in dieser Ausstellung zwölf Minuten lang auf einer großen Leinwand zu sehen sind, nehmen eine andere Bedeutung an, je länger man durch die Säle geht. Denn hier, im „Centro Memorial de las Víctimas del Terrorismo“, dem neuen Gedenkzentrum für Terrorismusopfer in der baskischen Hauptstadt Vitoria-Gasteiz, sind die Winke- und Lächelbilder, die in einem anderen Kontext beliebig wirken könnten, ein Signal an die Besucher, die Leidtragenden nicht zu vergessen: Dies sind Ermordete des Terrorismus auf spanischem Boden.

          Paul Ingendaay
          Europa-Korrespondent des Feuilletons in Berlin.

          Auf den grobkörnigen, verwackelten Filmbildern gehen sie noch mit ihren Angehörigen spazieren, planschen im Wasser, reiten noch auf einem Pferd. Dann wurden sie durch politisch motivierte Gewalttaten zu Toten – und von dort, so könnte man ergänzen, in Ausnahmefällen zu Symbolfiguren, mit größerer Wahrscheinlichkeit aber zu Zahlen in einer Statistik. Jetzt, an diesem Ort, fühlt es sich plötzlich anders an. In einer Vitrine liegt ein rotes Béret. Es gehörte einem erschossenen Polizeibeamten. Daneben seine Brieftasche mit Einschusslöchern. Der Mord der Terrorgruppe ETA – die Siglen stehen für „Baskenland und Freiheit“ – liegt schon vierzig Jahre zurück. Doch erst jetzt werden Dinge, die dem siebenundvierzigjährigen José Velasco gehörten, als Erinnerungszeichen ausgestellt. Endlich erwacht die Reflexion über eine Gesellschaft, die vielleicht irgendwann ohne Terrorismus leben kann.

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